Was ich bei "Leaders for Democracy" gelernt habe – und warum das auch für Bayer zählt
Als ich mich vor knapp einem Jahr für das Weiterbildungsprogramm "Leaders for Democracy" beworben habe, wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, was mich erwartet. Ein halbes Jahr, sechs Module, ein Thema, das ich bis dahin eher im Nachrichtenkontext verortet hatte als im eigenen Berufsalltag: Demokratie. Heute, als Teil der Kohorte 2026, kann ich sagen: Es war eine der prägendsten Erfahrungen der letzten Jahre – und zwar nicht, weil ich danach die Welt erklären könnte, sondern weil ich anders auf meinen eigenen Alltag schaue.
Was hinter dem Programm steckt
"Leaders for Democracy" ist ein gemeinsames Projekt der 2023 von Bayer gegründeten Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gGmbH und des Business Council for Democracy der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Über ein halbes Jahr verteilt, in drei Präsenzmodulen und drei Online-Sessions, geht es in dem Weiterbildungsprogramm um werteorientierte Führung, den Umgang mit Antisemitismus und Rassismus, Kommunikation mit Haltung – und um historische Verantwortung von Unternehmen und ihren Mitarbeitenden. Ich war einer von 20 Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen Branchen, die mit dabei sein durften. Genau dieser Austausch hat mir gezeigt: Das Thema betrifft nicht nur uns.
Am meisten bewegt hat mich das Modul in Weimar, "Geschichte und Gegenwart". Dort haben wir uns intensiv mit Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und der Verantwortung von Unternehmen auseinandergesetzt – an einem Ort, an dem Geschichte förmlich in der Luft liegt.
Was ich für meinen Alltag mitnehme
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus den Modulen: Haltung zeigt sich nicht am Rednerpult, sondern in den kleinen Entscheidungen des Alltags – wen man einbezieht, wie man mit Widerspruch umgeht, ob man wegschaut, wenn abwertend über Kolleg*innen oder Gruppen gesprochen wird. Das sind keine großen Gesten. Aber es sind die Momente, in denen sich zeigt, ob demokratische Werte im Team wirklich gelebt werden oder nur auf einem Poster stehen.
Warum das auch wirtschaftlich zählt
Was mir im Programm auch klarer geworden ist: Demokratie ist kein Thema, das an der Bürotür endet. Zunehmende Polarisierung und ein wachsender Vertrauensverlust in demokratische Institutionen betreffen auch Unternehmen ganz direkt – nicht abstrakt, sondern in der eigenen Belegschaft, im Umgang miteinander, in der Frage, ob sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung und genereller Überzeugungen am Arbeitsplatz sicher und gehört fühlen.
Ohne einen funktionierenden demokratischen Rahmen – Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Diskriminierungsschutz – gibt es auch keine vielfältige, wettbewerbsfähige Belegschaft. Das eine bedingt das andere. Für ein Unternehmen wie Bayer, das an vielen Standorten Deutschlands seit Jahrzehnten verwurzelt ist und Menschen eine berufliche Heimat bietet, ist ein stabiler demokratischer Rahmen deshalb keine Nebensache, sondern eine der Grundlagen, auf der überhaupt langfristig geplant werden kann.
Warum ich es für richtig halte, dass Bayer sich für Erinnerungskultur engagiert
Bayers Geschichte ist untrennbar mit der I.G. Farben und NS-Zwangsarbeit verbunden. Daraus erwächst ein sehr konkreter Auftrag: aktiv Erinnerungskultur zu gestalten, statt sie nur zu verwalten. Genau dafür wurde die Finkelstein Stiftung gegründet – unabhängig, mit eigener Forschungsförderung, ganzjährigen Aktivitäten und einem klaren Blick auf die Vergangenheit. Und genauso wichtig: Sie leitet daraus Resilienz für Gegenwart und Zukunft ab – also die Frage, wie man aus der Geschichte heraus heute und morgen widerstandsfähig gegen Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit bleibt. Dass Bayer die Finkelstein Stiftung gegründet hat und aktiv die eigene Erinnerungskultur pflegt, ist für mich deshalb kein Lippenbekenntnis, sondern hat echte Substanz.
Weitermachen
Die Bewerbungsphase für den nächsten Jahrgang der Leaders for Democracy, die #Classof2027, läuft vom 1. September bis zum 15. Oktober 2026. Wer selbst Lust hat, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen – ich kann es nur empfehlen. Nicht, weil es sich gut im Lebenslauf liest, sondern weil man danach genauer hinschaut. Und genaues Hinschauen ist, glaube ich, das, was gerade am meisten gebraucht wird.
Infos zur Bewerbung: bc4d.org