- Onkologie
Leberkrebs
Die Häufigkeit von Leberkrebs nimmt weltweit zu, und die Zahl der Neuerkrankungen und Todesfälle wird voraussichtlich weiter steigen. Mit mehr als 900.000 neuen Diagnosen pro Jahr ist Leberkrebs die sechsthäufigste Krebsart weltweit.
In China, Japan und Südkorea werden jährlich über 470.000 neue Fälle diagnostiziert, in der EU mehr als 87.000 und in den Vereinigten Staaten etwa 42.000. Insgesamt sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen.
Leberkrebs führt häufiger zum Tod als viele andere Tumorarten, und die Patientinnen und Patienten werden meist erst in einem späten Krankheitsstadium diagnostiziert. Weltweit ist Leberkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Jedes Jahr ist Leberkrebs weltweit für etwa 830.000 Todesfälle verantwortlich. Nur rund sechs Prozent der Patientinnen und Patienten leben fünf Jahre nach der Diagnose noch.
Schätzungsweise 75–85 % der Leberkrebserkrankungen weltweit sind HCC (hepatozelluläres Karzinom), womit es die häufigste Form von Leberkrebs ist.
In den vergangenen Jahren haben verbesserte Behandlungen das Gesamtüberleben von Patientinnen und Patienten mit HCC erhöht, auch wenn die Überlebensraten in fortgeschrittenen Stadien weiterhin niedrig bleiben.
Prävention und Früherkennung
Die wichtigsten Risikofaktoren für HCC sind chronische Infektionen mit dem Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Virus, die als mögliche Vorstufen eines Tumors gelten, ebenso wie Leberzirrhose, eine krankhafte Veränderung des Lebergewebes mit Schrumpfung. Es können zwei bis drei Jahrzehnte vergehen, bevor sich das Karzinom entwickelt. Es gibt weitere Risikofaktoren, die die Wahrscheinlichkeit der Tumorentstehung erhöhen, wie z. B. übermäßiger Alkoholkonsum. Eine häufige Lebererkrankung namens nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die eng mit Adipositas und Diabetes verbunden ist, kann das Risiko für Leberkrebs ebenfalls erhöhen.
NAFLD ist in vielen Teilen der Welt, darunter in den USA und in Teilen Europas, die am schnellsten wachsende Ursache für HCC. Bis 2030 wird ein drastischer Anstieg der Häufigkeit von NAFLD-bedingtem HCC prognostiziert, mit Zuwächsen von 82 %, 117 % bzw. 122 % gegenüber 2016 in China, Frankreich und den USA.
Die Früherkennung von HCC ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung, da der Tumor in frühen Krankheitsstadien operativ entfernt werden kann. Ein Bluttest und eine Ultraschalluntersuchung können HCC erkennen. Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) kann anschließend eine mögliche Diagnose bestätigen und dabei helfen, Größe, Form und Lage des Tumors sowie mögliche Metastasen in fortgeschrittenen Krankheitsstadien festzustellen.
Symptome von Leberkrebs
Symptome treten in der Regel erst auf, wenn die Erkrankung ein fortgeschrittenes Stadium erreicht hat – und sie sind teilweise relativ unspezifisch. Dazu gehören Appetitlosigkeit und Übelkeit sowie Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch.
Behandlung von Leberkrebs
Etwa 30 % der Patientinnen und Patienten mit einer HCC-Diagnose kommen für Therapien infrage, die das Potenzial haben, den Krebs zu heilen, wie etwa Resektion oder Transplantation. In vielen Fällen wird die Diagnose jedoch erst gestellt, wenn die Erkrankung so weit fortgeschritten ist, dass eine chirurgische Resektion nicht mehr möglich ist; dies wird als nicht resezierbares HCC (uHCC) bezeichnet, und kurative Therapien sind für die Patientinnen und Patienten dann nicht mehr realisierbar.
In jüngster Zeit wurden erhebliche Fortschritte bei der Behandlung von uHCC erzielt. Inzwischen stehen mehrere Behandlungsoptionen zur Verfügung, die das Potenzial haben, das Leben zu verlängern – sowohl für Patientinnen und Patienten, die erstmals medikamentös behandelt werden (Erstlinie), als auch für diejenigen, die nach dem Versagen der initialen Behandlung eine weitere medikamentöse Therapie erhalten (Zweitlinie).
Kombinationsansätze mit Immuntherapie sind für viele Patientinnen und Patienten der Behandlungsstandard in der Erstlinie. Allerdings sprechen weniger als 30 % der Patientinnen und Patienten auf diesen Ansatz an, und bei der Mehrheit derjenigen, die auf die Behandlung ansprechen, kommt es schließlich zu einem Rückfall der Krebserkrankung.
Dies ist besonders relevant für Patientinnen und Patienten, die nicht mehr gut auf die Erstlinienbehandlung ansprechen und noch über eine ausreichende Leberfunktion verfügen, um von einer Zweitlinienbehandlung zu profitieren. In diesem Zusammenhang ist eine der derzeit größten Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte die Auswahl der optimalen Sequenz von Zweitlinienbehandlungen.
Trotz der Verfügbarkeit mehrerer Optionen und Expertenleitlinien, die ihren Einsatz empfehlen, erhalten viele Patientinnen und Patienten keine Zweitlinienbehandlung, wodurch sich ihre Chance auf ein verbessertes Überleben verringert. Versorgungsnahe Evidenz aus einer breiten Population von Patientinnen und Patienten mit uHCC, einschließlich jener, die eine Immuntherapie erhalten haben, zeigt, dass Zweitlinienbehandlungen, darunter Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs), das Leben der Patientinnen und Patienten verlängern und die Behandlungsergebnisse bei einem konsistenten Sicherheitsprofil verbessern können.
Es ist wichtig, dass Patientinnen und Patienten mit ihrem Behandlungsteam über alle verfügbaren Zweitlinienbehandlungsoptionen sprechen, nachdem ihre Erstlinienbehandlung nicht mehr wirkt, sowie über weitere Behandlungsoptionen darüber hinaus. So kann sichergestellt werden, dass sie über alle Therapielinien hinweg bei fortgeschrittenem Leberkrebs optimale Behandlungsergebnisse erzielen.
Bayer-Behandlungen
Bayers wichtigstes Arzneimittel gegen fortgeschrittenen Leberkrebs ist eine zielgerichtete Therapie, ein sogenannter Multi-Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI), der Tumoren angreift und das Tumorwachstum auf verschiedene Weise bekämpft. Es wird von Ärzten in vielen Ländern weltweit zur Zweitlinienbehandlung von HCC eingesetzt.
Engagement für Leberkrebs
Im Jahr 2007 führte Bayer die erste von den Zulassungsbehörden genehmigte medikamentöse Therapie für die Erstlinienbehandlung von Patienten mit HCC ein. Im darauffolgenden Jahrzehnt bestand ein wichtiger ungedeckter Bedarf bei HCC darin, die Behandlungsergebnisse nach Krankheitsprogression unter der Erstlinienbehandlung zu verbessern. Zahlreiche weitere Wirkstoffe konnten keinen Überlebensvorteil zeigen, bis 2017 Bayer mit seinem zweiten Leberkrebsmedikament die Zulassung für die Zweitlinienbehandlung von HCC-Patienten erhielt, nachdem klinische Studienergebnisse gezeigt hatten, dass es das Leben der Patienten verlängert. Dieser Durchbruch machte es zur ersten Behandlung für fortgeschrittenen Leberkrebs, die in der Zweitlinienbehandlung zugelassen wurde.
Bayer ist Gründungsmitglied der International Liver Cancer Association (ILCA), die sich der Leberkrebsforschung und -prävention widmet.