Lars Bärfacker im Porträt

Entdecker im Mikrokosmos

Wie werden eigentlich Medikamente gebaut? Dr. Lars Bärfacker ist medizinischer Chemiker auf der Suche nach neuen Wirkstoffen zur Behandlung von Krankheiten.

 

Wenn ich im Mittelalter gelebt hätte, wäre ich wohl Entdecker geworden. Die Länder dieser Erde sind jedoch schon erkundet. Um heute neue Orte zu ergründen, müsste ich also in die Tiefsee oder ins Weltall reisen. In diesen extremen Regionen fühle ich mich sehr unwohl. Deshalb bin ich lieber Chemiker geworden. Als solcher erkunde ich die kleinste aller Welten: den Mikrokosmos.

Die Entdeckung der richtigen Wirkstoffe für unbekannte Bindungstaschen fühlt sich manchmal an, wie die Suche nach den Wänden in einem dunklen Keller.
Dr. Lars Bärfacker
Dr. Lars Bärfacker
,
Medizinischer Chemiker

Pingpong im Labor

Jeden Morgen komme ich in mein Büro, direkt neben dem Labor meiner Mitarbeiter, und mache mich auf die Suche nach neuen Wirkstoffen. Ich lasse mich von wissenschaftlichen Neuheiten inspirieren, die jeder auf entsprechenden Blogs im Internet recherchieren kann, um mich immer weiter zu verbessern. Es ist offensichtlich, warum jeder nach Substanzen zur Behandlung von Krankheiten sucht, für die keine Therapie verfügbar ist. Ich verfolge das gleiche Ziel bei der Behandlung von Krankheiten, die eine große Belastung für die Gesellschaft darstellen: Mehr Wirksamkeit bei weniger Nebenwirkungen verbessert die Lebensqualität von Patienten drastisch. Das motiviert mich jeden Tag. Ich kreiere neue Substanzen und schicke sie meinen Kollegen nebenan. Im Gegenzug erhalte ich von ihnen Ergebnisse, die in neue Verbindungen übersetzt werden und das Profil des Medikaments hoffentlich verbessern. Das ist ein ständiges Hin und Her, wie beim Pingpong. Ich bin selbst seit meiner Jugend im Tischtennis aktiv und habe auch Turniere gespielt.

 

Das wichtigste Pingpong spiele ich mit den Kollegen aus der Pharmakologie. Wenn ich von ihnen Informationen über das therapeutische Potenzial eines Wirkstoffes bekomme, versuche ich dessen Nebenwirkungen zu minimieren. So weit, dass der therapeutische Nutzen für den Patienten wesentlich größer ist. Bis wir das gewünschte Molekül gefunden haben, können manchmal Jahre vergehen.

Wissenschaftler brauchen viel Kreativität, Geduld und Leidensfähigkeit. Auch nach 10 Jahren intensiver Forschung kann ein Projekt abgebrochen werden, weil es gegen die Krankheit nicht hilft.
Lars Bärfacker
,
Medizinischer Chemiker

Bauleiter für chemische Strukturen

In der medizinischen Chemie bin ich gleichzeitig der Architekt, Statiker und Bauleiter für Moleküle. Ich weiß in etwa, wo und wie eine Substanz wirken soll, und welche Eigenschaften dafür nötig wären. Um einen pharmakologischen Effekt hervorzurufen, muss ein Wirkstoff maßgeschneidert sein. Doch das ist nicht genug: Ich muss auch weitere Eigenschaften kreieren, wie zum Beispiel Löslichkeit und Polarität, um das ganze Potential des Stoffes auszuschöpfen – immer unter Einhaltung der Sicherheitsanforderungen.

 

Kein Ansatz, den mein Team und ich haben, führt direkt zur Einführung eines Medikamentes auf den Markt. Wir müssen oft mit Rückschlägen umgehen. Um die ersten 100 Stoffe herzustellen, haben wir vorher Tausende in Betracht gezogen. Mit etwas Glück schafft es dann einer von ihnen in die klinische Phase, in der er am Menschen getestet wird. In so einer Phase sind wir mit einem unserer Wirkstoff-Kandidaten – ein sogenannter nicht-steroidaler Mineralkortikoidrezeptor-Antagonist. Ein internationales Team untersucht diesen Antagonisten momentan als potentiellen Wirkstoff gegen diabetische Nierenerkrankungen.

 

baerfacker

 

Wenn ich nicht gerade Moleküle designe oder den Mikrokosmos erforsche, entdecke ich gerne die Welt. Auf Reisen nach Asien und Frankreich lerne ich neue Küchen und Kulturen kennen. Kulinarische Ausflüge gleiche ich anschließend beim Tennis aus. Letztes Jahr habe ich außerdem mit meinem Segelführerschein angefangen. Damit erkunde ich bald die Küstengewässer dieser Welt.

 

CV Dr. Lars Baerfacker

1970 geboren in Oberhausen, Deutschland
1990-1996 Chemiestudium an der Universität Dortmund, Abschluss als Diplom-Chemiker
1999 Promotion zum Dr. rer. nat.
1999-2000 Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Universität zu Minnesota
seit 2000 Eintritt in die Bayer AG als Medizinischer Chemiker
2011-2014 Jobrotation nach Berlin mit Fokus auf onkologische Projekte

 

Ausgewählte Publikationen

Discovery of BAY 94-8862: A Nonsteroidal Antagonist of the Mineralocorticoid Receptor for the Treatment of Cardiorenal Diseases.
ChemMedChem. 2012 Aug;7(8):1385-403.
Bärfacker L, Kuhl A, Hillisch A, Grosser R, Figueroa-Pérez S, Heckroth H, Nitsche A, Ergüden JK, Gielen-Haertwig H, Schlemmer KH, Mittendorf J, Paulsen H, Platzek J, Kolkhof P.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


BAY 1125976, a selective allosteric AKT1/2 inhibitor exhibits high efficacy on AKT signaling-dependent tumor growth in mouse models.
Int J Cancer. 2017 Jan 15;140(2):449-459
Politz O, Siegel F, Bärfacker L, Bömer U, Hägebarth A, Scott WJ, Michels M, Ince S, Neuhaus R, Meyer K, Fernández-Montalván AE, Liu N, von Nussbaum F, Mumberg D, Ziegelbauer K.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Tandem Reaction Sequences under Hydroformylation Conditions: New Synthetic Applications of Transition Metal Catalysis.
Chem. Rev., 1999, 99 (11), pp 3329–3366
EilbrachtP, BärfackerL, BussC, HollmannC, Kitsos-RzychonBE, KranemannCL, RischeT, RoggenbuckR, SchmidtA.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)

 

Ausgewählte Patente

Substituierte 4-aryl-1,4-dihydro-1,6-naphthyridinamide und ihre Verwendung
WO2008104306, 2008
Lars Bärfacker, Peter Kolkhof, Karl-Heinz Schlemmer, Rolf Grosser, Adam Nitsche, Martina Klein, Klaus Münter, Barbara Albrecht-Küpper, Elke Hartmann

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4-(pyridin-3-yl)-2(pyridin-2yl)-1,2-dihydro-3H-pyrazol-3-one derivatives as specific HIF-pyrolyl-4-hydroxylase inhibitors for treating cardiovascular and haematological diseases
WO2006114213, 2006
Ingo Flamme, Jens-Kerim Ergüden, Felix Oehme, Kai Thede, Gunter Karig, Alexander Kuhl, Hanno Wild, Joachim Schuhmacher, Peter Kolkhof, Lars Bärfacker, Joachim Hütter

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Imidazopyridazines as Akt kinase inhibitors
WO2012136776, 2012.
Lars Bärfacker, William Scott, Andrea Hägebarth, Stuart Ince, Hartmut Rehwinkel, Oliver Politz, Roland Neuhaus, Hans Briem, Ulf Bömer.

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Awards

2008: Global Drug Discovery Award
2014: Otto Bayer Medal