Oliver Politz im Porträt

Zwischen Studien und Schlagzeug

Es gibt über 100 verschiedene Tumorarten. Weltweit suchen Wissenschaftler nach dem jeweils optimal passenden Medikament dagegen. Oliver Politz beschäftigt sich mit zwei Wirkstoffkandidaten, einem gegen Non-Hodgkin-Lymphome und einem gegen Blasenkrebs. Die Herausforderung: Die Mittel sollen gut verträglich und gleichzeitig hochwirksam sein.

Manche Dinge, die ich im Laufe der Zeit mache, tragen entscheidend dazu bei, dass ein Medikament irgendwann auf den Markt kommt. Das ist schon sehr spannend.
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Dr. Oliver Politz
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Principal Scientist in Oncology Research at Bayer AG

Unsere Forschung kann Leben retten. Ich betreue beispielsweise momentan zwei Wirkstoffkandidaten in den klinischen Entwicklungsphasen: ein PI3-Kinase Hemmer und ein Hemmer des FGF Rezeptors. Wenn sie sich bewähren, dann haben sie in Zukunft die Chance, im besten Falle unzähligen Patienten mit verschiedenen Tumorarten zu helfen.

 

Höchstens ein Prozent aller Ideen schafft es überhaupt bis in diese Entwicklungsphase. Das ist die Herausforderung meiner Arbeit. Jeder neue Kandidat für ein Medikament muss umfassend ausgewertet und getestet werden. Nur wenn sie sich sowohl im Labor, bei Tieren als auch an Patienten als sicher und wirksam erweisen, können wir daran weiterarbeiten. Das sind die Gründe für die hohen Kosten und die Zeit, die für Medikamentenentwicklung nötig sind. Aber unsere Ausdauer zahlt sich aus.

 

Von der frühen in die späte Wirkstoffforschung

Wenn ich abends mal komplett abschalten will, dann trommele ich drauflos. Das Schlagzeug ist mein Ventil. Ich habe als Jugendlicher in der Musikschule spielen gelernt. Damals, in meinem Heimatdorf, haben sich 500 Meter weiter die Leute beim Bäcker noch umgedreht, wenn ich loslegte. Dank meines elektronischen Schlagzeugs kann meine Frau heute im Nebenzimmer schlafen, ohne dass es sie stört. Kopfhörer aufsetzen, Musik einlegen und abschalten. Danach bin ich auch wieder gerüstet für den nächsten Forschungstag.

 

Oliver Politz

 

Nach gut 15 Jahren bei Bayer – erst in der frühen, jetzt seit zwei Jahren in der späten Forschung – bin ich immer noch erstaunt, wenn mir auffällt: Eigentlich ist jeder von uns nur ein kleines Rädchen in der Produktentwicklung. Aber manche Dinge, die ich im Laufe der Zeit mache, tragen entscheidend dazu bei, dass ein Medikament irgendwann auf den Markt kommt. Das ist schon sehr spannend.

 

Im Vergleich mit Konkurrenzprodukten

Es geht bei meiner Arbeit sehr viel um Mathematik und Statistik: In einer Phase-2-Studie zeigen wir die Wirksamkeit eines Wirkstoffkandidaten, anhand von Patientendaten. In der Phase 3 vergleichen wir die Wirksamkeit und Sicherheit mit den Standards der verfügbaren Konkurrenzprodukte. Heutzutage können gute Ergebnisse aus Phase-2-Studien zur Tumor Bestimmung bereits verwendet werden, um die Registrierung neuer Medikamente zu unterstützen. Möglicherweise tragen sie also zur Zulassung bei. Beispielsweise haben wir gerade einen Antrag auf Zulassung bei der US Food and Drug Administration (FDA) eingereicht, für den PI3-Kinase Hemmer. Das sind die Momente, wo wir sehr nah am Patienten sind und helfen können, Innovation zu seinem Wohl einzusetzen.

Eigentlich ist jeder von uns nur ein kleines Rädchen in der Produktentwicklung. Aber manche Dinge tragen entscheidend dazu bei, dass ein Medikament irgendwann auf den Markt kommtl.
Oliver Politz
,
Principal Scientist in Oncology Research at Bayer AG

Ich bin in dieses Forschungsgebiet reingewachsen. Ursprünglich wollte ich Meeresbiologe werden. Das war aber damals zu DDR-Zeiten nicht so ohne weiteres möglich. Deswegen bin ich erst mal in die Mikrobiologie, dann in die Molekularbiologie und von dort dann letztendlich in die Krebsforschung gekommen. Ein Weg der viel Freude gemacht hat und den ich auch heute wieder gehen würde.

 

Lebenslauf Oliver Politz

1990 Diplom in Biologie, Ernst-Moritz-Arndt University Greifswald, Thema: „Study of regulation of ß-glucanase of Bacillus macerans by glucose”
1990-1994 Doktorarbeit an der Humboldt-Universität Berlin, Institut für Microbiologie, Thema: „Structure/function relationships in Bacillus Endo-(1-3,1-4)-ß-Glucanases”
1994-1995 Postdoc am Institut für Biologie an der Humboldt-Universität Berlin
1996-1997 Postgraduierten-Stipendium am Carlsberg Research Centre Kopenhagen (Carlsberg Laboratory), Dänemark
1997-2000 Postdoc am Institut für Dermatologie des Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität Berlin
Aug. 2000-heute Research Scientist, Department of Oncology of Bayer AG
Seit Juli 2013 Member of Bayer Expert Club as Principal Scientist

 

Ausgewählte Publikationen

Pseudoexons and regulatory elements in the genomic sequence of the beta-chemokine, alternative macrophage activation-associated CC-chemokine (AMAC)-1.
Cytokine 12, 120-126.
Politz, O., Kodelja, V., Guillot, P., Orfanos, C. E., and Goerdt, S. (2000).

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Determinants for the enhanced thermostability of hybrid (1-3,1-4)-beta-glucanases.
Eur J Biochem 216, 829-834.
Politz, O., Simon, O., Olsen, O., and Borriss, R. (1993).

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


AKT1 (E17K) mutation profiling in breast cancer: prevalence, concurrent oncogenic alterations, and blood-based detection.
BMC Cancer 16, 622.
Rudolph, M., Anzeneder, T., Schulz, A., Beckmann, G., Byrne, A. T., Jeffers, M., Pena, C., Politz, O., Kochert, K., Vonk, R., and Reischl, J. (2016).

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Novel DNA methylation markers with potential prognostic relevance in advanced malignant melanoma identified using COBRA assays.
Melanoma Res 25, 225-231.
Kaehler, K. C., Politz, O., Henderson, D., Ulbrich, H. F., Hauschild, A., Mund, C., and Egberts, F. (2015).

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


BAY 1125976, a selective allosteric AKT1/2 inhibitor, exhibits high efficacy on AKT signaling-dependent tumor growth in mouse models.
Int J Cancer. 2017 Jan 15;140(2):449-459.
Politz O., Siegel F., Bärfacker L., Bömer U., Hägebarth A., Scott WJ., Michels M., Ince S., Neuhaus R., Meyer K., Fernández-Montalván AE., Liu N., von Nussbaum F., Mumberg D., Ziegelbauer K.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


BAY 1125976 is a selective allosteric AKT1/2 inhibitor with high efficacy in AKT1-mutated cancers.
Paper presented at: Annual Meeting of the American Association for Cancer Research (San Diego, California, USA: AACR).
Politz, O., Scholz, A., Haegebarth, A., Liu, N., Baerfacker, L., Ince, S., Neuhaus, R., Boemer, U., Michels, M., von Nussbaum, F., and Mumberg, D. (2014).

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