Andrea Wagenfeld im Porträt

Klinische Forschung für Frauen

Sie möchte das Leid von Frauen mindern, die monatlich quälende Schmerzen plagen: Dr. Andrea Wagenfeld sucht Biomarker, die zeigen ob die Behandlung einer gynäkologischen Erkrankung anschlägt oder nicht.

 

Schmerzen, starke Monatsblutungen und eine eingeschränkte Fruchtbarkeit können die Folge gynäkologischer Erkrankungen sein, die das Leben von Frauen stark beeinträchtigen. Beispiele dafür sind Myome, die Endometriose und das polyzystische Ovarsyndrom (PCOS). Diesen Krankheiten widme ich meine Forschung.

 

Ein Symptom – Viele Krankheiten

Myome haben zwischen 50 und 60 Prozent der Frauen. Es sind gutartige Tumoren im Uterus, die bei zehn Prozent der Betroffenen belastende Symptome auslösen. Dazu gehören neben heftigen (Menstruations-) Schmerzen auch starke Blutungen. Zudem ist die Fruchtbarkeit der Frauen eingeschränkt. Ähnlich belastet sind Patientinnen mit Endometriose. Auch diese Krankheit verursacht starke Menstruationsschmerzen und Subfertilität. Anders als bei den Myomen treten diese Beschwerden bei den Betroffenen sehr früh auf, teilweise schon zur ersten Monatsblutung. Weil sie schwer zu diagnostizieren sind, kommt es häufig erst bis zu zehn Jahre nach Auftreten der Krankheit zu einer Diagnose. Viele junge Frauen halten die Stärke ihrer Schmerzen für normal, weil sie keinen Vergleich zu herkömmlichen Menstruationsbeschwerden haben. Ich bin froh, mit meiner Arbeit das Leben vieler Frauen zu verbessern. Nicht nur mit der Behandlung lebensbedrohlicher Krankheiten kann man Menschen helfen. Es geht auch durch die Verbesserung des Alltags von Patienten. Gegen Myome und Endometriose gibt es nur wenige Behandlungen und Frauen verdienen die bestmögliche Versorgung.

In klinischen Studien die Wirksamkeit eines Medikaments zu belegen, ist extrem wichtig, aber auch enorm schwierig.

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Dr. Andrea Wagenfeld
,
Director Biomarker Strategy, Clinical Sciences

Zwei Krankheiten – ein Medikament

Zur Behandlung beider Krankheiten testen wir einen Modulator in klinischen Phase III Studien, das sich an den Progesteron Rezeptor bindet. Zuvor habe ich ihn schon in der Entwicklung betreut. Das ist für mich etwas ganz Besonderes, denn so weit kommen die meisten Stoffe gar nicht. In den vorhergehenden Phasen haben wir das Medikament an gesunden Probanden auf seine Sicherheit und Verträglichkeit geprüft. Im anschließenden Schritt haben wir die geeignete Therapiedosis gesucht, mit der wir jetzt betroffene Frauen behandeln, um zu zeigen, wie wirksam klinische Symptome reduziert oder verhindert werden. In Studien die Wirkung eines Medikaments früh zu belegen, ist extrem wichtig, aber auch enorm schwierig. Ich habe mich dabei auf die sogenannten Biomarker spezialisiert. Das sind messbare Parameter im menschlichen Gewebe oder in Körperflüssigkeiten wie zum Beispiel Blut oder Urin. Als Marker eignen sich dabei ganz unterschiedliche Stoffe. Ob es sich dabei um Proteine, Gene oder Hormone handelt ist egal. Anhand der Biomarker können wir den Fortschritt oder die Veränderung einer Krankheit und somit den Erfolg der Behandlung messen.

Ich bin froh, mit meiner Arbeit das Leben vieler Frauen zu erleichtern.
Dr. Andrea Wagenfeld
,
Director Biomarker Strategy, Clinical Sciences

Musik, Kunst und Wassersport

Den ganzen Arbeitstag beschäftige ich mich also mit Krankheiten und dadurch ausgelöste Schmerzen. Einen Weg zu finden, Frauen aus dieser Misere zu helfen, erfüllt mich. Abseits davon brauche ich etwas positive Abwechslung. So genieße ich außerhalb meiner Arbeit das vielfältige kulturelle Angebot Berlins. Von den bildenden Künsten bin ich genauso begeistert, wie von der Musik. Seit bereits zehn Jahren habe ich ein Abo für die Berliner Philharmoniker. Aber auch Mainstream-Musik aus dem Radio entspannt mich. Körperlichen Ausgleich finde ich im Wasser – ich gehe schwimmen und im Urlaub schnorchle oder tauche ich gerne. Die Landschaften außerhalb Berlins erkunde ich gerne in meiner Freizeit. Entweder mit dem Fahrrad oder, vor ein paar Jahren, bei einer Eselwanderung. Das sind prachtvolle Lebewesen und ein guter Weg sein Stressniveau und seine Geduld zu testen.

 

Andrea Wagenfeld

 

Lebenslauf Dr. Andrea Wagenfeld

1967 geboren in Delmenhorst, Deutschland
1993 Diplom-Biologin mit Fokus auf Mikrobiologie an der Universität Münster
1997 Doktorarbeit am Institut für Reproduktive Medizin der Universität Münster
1997-2001 PostDoc Rockefeller Foundation/ Ernst Schering Foundation “Application of Molecular Pharmacology for Post-Testicular Activity” (Münster, Charlottesville, Turku)
2002-2007 Laborleiterin Male Health Care Research, Gynecology & Andrology, Schering AG, Berlin
2007-2010 Senior Scientist Uterine Fibroid Research TRG Gynecological Therapies, Bayer Healthcare Berlin
2010-2012  Berufsbegleitendes Studium, Master Consumer Health Care, Charité-Universitätsmedizin Berlin
2010-2016 Principal Scientist, TRG Oncology & Gynecological Therapies, Bayer Pharma AG, Berlin
seit  2016 Director Biomarker Strategy in Clinical Sciences und Experimental Medicine, Bayer Pharma AG, Berlin

 

Ausgewählte Publikationen

Selective progesterone receptor modulators (SPRMs): progesterone receptor action, mode of action on the endometrium and treatment options in gynecological therapies.
Expert Opin Ther Targets. 2016 Sep;20(9):1045-54
Wagenfeld A, Saunders PT, Whitaker L, Critchley HO.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


BAY 1002670: a novel, highly potent and selective progesterone receptor modulator for gynaecological therapies.
Hum Reprod. 2013 Aug;28(8):2253-64
Wagenfeld A, Bone W, Schwede W, Fritsch M, Fischer OM, Moeller C.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Male contraception – a topic with many facets.
Mol Cell Endocrinol. 2004 Mar 15;216(1-2):75-82
Lye R J, Sipilä P, Vernet P, Wagenfeld A.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Mouse models of infertility due to swollen spermatozoa.
Mol Cell Endocrinol. 2004 Mar 15;216(1-2):55-63
Cooper TG, Yeung CH, Wagenfeld A, Nieschlag E, Poutanen M, Huhtaniemi I, Sipilä P.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Lack of glutamate transporter EAAC1 in the epididymis of infertile c-ros receptor tyrosine-kinase deficient mice.
J Androl. 2002 Nov-Dec;23(6):772-82.
Wagenfeld A, Yeung CH, Lehnert W, Nieschlag E, Cooper TG.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)


Molecular cloning and expression of rat contraception associated protein 1 (CAP1), a protein putatively involved in fertilization.
Biochem Biophys Res Commun. 1998 Oct 20;251(2):545-9.
Wagenfeld A, Gromoll J, Cooper TG.

Auf PubMed lesen (auf Englisch)

 

Awards

2016: Otto Bayer Medaille