Wenn wir die COVID-19-Pandemie hinter uns lassen wollen, brauchen wir mehr Vertrauen

Die Pandemie wird voraussichtlich auch im Jahr 2021 und darüber hinaus entscheidenden Einfluss haben. Doch neueste Nachrichten geben jedoch Grund zur Hoffnung: In vielen Ländern wurden die ersten Impfstoffe zugelassen und weitere sind in Entwicklung. Auch Bayer wird in Zusammenarbeit mit CureVac einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Produktion eines neuen Imfpstoffkandidaten leisten.

 

Es wird vielleicht noch einige Monate dauern, bis in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine breitere Bevölkerung geimpft werden kann, doch die Tatsache, dass knapp ein Jahr nach dem Beginn der Suche nach einem Impfstoff bereits Impfstoffe zugelassen wurden, ist ermutigend und unterstreicht einmal mehr den hohen Stellenwert des gesamten Gesundheitssystems.

 

Wenn ich über diese jüngsten Entwicklungen nachdenke, sehe ich drei wichtige Erkenntnisse.

 

Auf Wissenschaft und Forschung setzen

 

Noch nie haben Pharma-Unternehmen und Forschungseinrichtungen weltweit so schnell auf einen neuen Krankheitserreger reagiert wie auf das Corona-Virus. Nach Angaben des Milken Institute sind aktuell* 242 weitere Impfstoffe in der Entwicklung. Außerdem werden mehr als 319 bereits vorhandene oder neue Medikamente auf ihre Wirksamkeit in der Behandlung von COVID-19 geprüft.

 

Die kollektive Anstrengung von Wissenschaft und Forschung im gemeinsamen Kampf gegen ein Virus und die dafür erforderlichen finanziellen Aufwendungen waren nie größer.

 

Alle schauen auf die Wissenschaft und hoffen, dass sie mithilfe von Innovation und bahnbrechenden medizinischen Fortschritten einen möglichen Weg aus der Krise findet. 

 

Vertrauen in Wissenschaft und neue Technologien stärken

 

Sichere und wirksame Impfstoffe und Arzneimittel allein reichen allerdings nicht aus, um die Pandemie zu beenden. Dazu brauchen wir auch das Vertrauen und die Akzeptanz der Gesellschaft. Eine jüngste Umfrage von Ipsos und dem Weltwirtschaftsforum hat gezeigt, dass sich zum Beispiel in Deutschland nur 65 Prozent aller Erwachsenen impfen lassen wollen. In den USA ist der Anteil mit 69 Prozent etwas höher. Die meisten, die sich nicht impfen lassen wollen, gaben an, dass sie sich Sorgen wegen möglicher Nebenwirkungen machen. Zudem sind den Angaben zufolge einige der Befragten der Meinung, der Impfstoff sei so schnell entwickelt worden, dass er nicht gemäß strenger Kriterien getestet werden konnte.

 

Einen Impfstoff zu finden, zu entwickeln und zu produzieren ist grundsätzlich ein komplexes Unterfangen. Neue Technologien wie das mRNA-Verfahren und Erfahrung mit Impfstoffen gegen ähnliche oder verwandte Viren haben die Entwicklung jedoch deutlich beschleunigt. Dabei wurden die strengen Vorgaben für die Entwicklung und Marktzulassung eingehalten. Dies gilt in gleicher Weise wie für die Zulassung jedes anderen neuen Medikaments. Alle Impfstoffe durchlaufen einen umfangreichen klinischen Prüfungsprozess, an dem Tausende von Teilnehmern aus verschiedenen Alters- und Risikogruppen beteiligt sind. Um die Marktzulassung zu erhalten, muss ein Impfstoff nachweislich sicher und wirksam sein. Diese hohen Qualitäts-, Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards dürfen durch eine beschleunigte Entwicklung nicht beeinträchtigt werden. 

 

Die Pandemie wird 2021 weiterhin im Vordergrund stehen. Wir sollten dennoch auch bessere Behandlungsoptionen oder sogar Heilungen für Krankheiten im Auge behalten, die die Pandemie überdauern werden – wie Krebs, Parkinson oder Alzheimer. Der Bereich der Zell- und Gentherapien, in dem Bayer sich aktiv engagiert, könnte zur Findung von Antworten für Krankheiten mit hohem medizinischem Bedarf beitragen. 

 

Akute Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit gemeinsam bewältigen

 

Indem ein gemeinsames Ziel mit vereinten Kräften verfolgt wurde, haben die enormen globalen Anstrengungen zur Entwicklung von Impfstoffen und Behandlungsoptionen für COVID-19 zu schnellen Ergebnissen geführt und sogar mehrere Lösungsvarianten hervorgebracht. Wir könnten uns heute jedoch nicht über die Zulassung dieser Impfstoffe freuen, wenn öffentliche, private, akademische und philanthropische Organisationen im Kampf gegen die Pandemie nicht eng zusammengearbeitet hätten. Und diese Zusammenarbeit dauert weiter an. Der Schulterschluss und die Zusammenarbeit selbst unter Wettbewerbern war beispiellos in der Geschichte der pharmazeutischen Industrie.

 

Gemäß unserer Vision „Health for All, Hunger for None“ unterstützt Bayer dies und arbeitet mit allen beteiligten Parteien zusammen – einschließlich anderer pharmazeutischer Unternehmen –, um innovative Arzneimittel gegen COVID-19 zu finden. 

 

Bayer unterstützt zum Beispiel CureVac bei der Entwicklung des mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffkandidaten CVnCoV mit seinem fachlichen Know-how und seiner Infrastruktur. Wir werden auch Hilfe bei der Produktion des Impfstoffs leisten und planen, im Jahr 2022 160 Millionen zusätzliche Dosen bereitzustellen. Dazu werden wir auf unser eigenes Produktionsnetzwerk zurückgreifen, unter anderem auf unser Werk in Wuppertal, Deutschland. Das ist ein komplexes Unterfangen, da die großflächige Produktion eines Impfstoffs auf Basis der mRNA-Technologie spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten erfordert.

 

Die Zusammenarbeit mit CureVac ist der nächste Schritt im Rahmen unserer zahlreichen Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19. Wir glauben daran, dass Zusammenarbeit und Kollaboration medizinische Innovationen voranbringen. Das hat die aktuelle Pandemie eindrucksvoll gezeigt.


* Stand: 1. Februar 2021

Portrait von Mike Devoy
Dr. Michael Devoy
Chief Medical Officer der Bayer AG und Head of Medical Affairs & Pharmacovigilance