Bayer unterstützt weiterhin vor Ort

Nach der Katastrophe: Flut für Ahr-Winzer nicht das einzige Problem

Weltweit haben Wetterextreme und die Folgen wie Waldbrände, Fluten oder Dürren Menschen in den vergangenen Wochen schwer getroffen. In einigen Regionen Deutschlands und in Teilen der Niederlande und Belgien sind Mitte Juli viele Menschen von der größten Flutkatastrophe seit langer Zeit getroffen worden. Einige Wochen später ist das Wasser im Ahrtal, einer beliebten Urlaubsregion, die am schwersten betroffen ist, zwar wieder abgeflossen – die sichtbaren und unsichtbaren Folgen der Flutschäden aber noch lange nicht beseitigt. Viele Bayer-Mitarbeiter helfen noch immer vor Ort.

Zertrümmerte Häuser, weggespülte Fahrzeuge und verschlammte Keller und Wohnbereiche – als sich die Ahr im Juli innerhalb kürzester Zeit von dem sonst so ruhigen Fluss in einen reißenden Strom verwandelte, riss sie alles mit sich, was sich ihr in den Weg stellte. „Der Wiederaufbau wird viele Jahre dauern und auch dann wird es nie wieder so, wie es einmal war“, mutmaßt Franz-Josef Christ. Er ist Betriebsratsvorsitzender am Bayer-Standort Hürth-Knapsack bei Köln und wohnt in Ahrbrück. Sein Haus ist zwar trocken geblieben, aber wie alle anderen im Ort hatte auch er zwei Wochen lang keinen Strom und kein fließendes Wasser.

„Die Realität war noch viel katastrophaler.“
Franz
Franz-Josef Christ
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Betriebsratsvorsitzender am Standort Hürth-Knapsack

„Nur 500 Meter von mir entfernt sind Häuser mit Menschen weggeschwommen – das kann man sich einfach nicht vorstellen. Die Bilder in den Nachrichten können das alles gar nicht widerspiegeln; die Realität war noch viel katastrophaler“, erzählt Christ, der gemeinsam mit Nachbarn und vielen anderen freiwilligen Helfern, die aus ganz Deutschland angereist sind, in den Tagen und Wochen nach der Flut anpackt, wo es nötig ist.

Flutwein – der schlimmste Jahrgang aus dem Ahrtal

Gemeinsam mit der Gastronomin Linda Kleber von „Klebers Küche und Garten“ und dem Verein „Ahrwein e.V.“ erweckte Peter Kriechel die Initiative Flutwein.de  zum Leben. Mit dem Verkauf der geretteten Weine über diese Webseite soll der Wiederaufbau unterstützt, den Menschen vor Ort finanzielle Hilfe zugeführt und die Bekanntheit der Region Ahrweiler als eine der großen Weinregionen Deutschlands erhalten werden. 

Hilfsbereitschaft nach wie vor enorm


Die Hilfsbereitschaft ist enorm. Das hat Winzer Michael Kriechel gleich im ersten Moment nach der Katastrophe gespürt. Auch Wochen später kommen noch immer weitere Helfer, um ihn bei der Arbeit rund um das Familienweingut Peter Kriechel in Ahrweiler zu unterstützen. „Menschen, die wir vorher nicht kannten, machen sich auf den Weg und wollen einfach nur mit anpacken. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Sie helfen entweder in den Weinbergen beim Schneiden der Weinreben oder unterstützen beim Abspülen der verschlammten Flaschen des sogenannten „Flutweins“, der im Anschluss dann von weiteren Helfern für den Versand paketfertig gemacht wird. 
 


 

Im Ahrtal gibt es 65 Winzer, also weinbautreibende Betriebe, die sich komplett selbst vermarkten, sowie hunderte kleinere Genossenschaftswinzer. 62 dieser 65 Weinbaubetriebe sind von der Flutkatastrophe betroffen. Michael Kriechel und sein Bruder Peter betreiben das Weingut in dritter Generation  und werden dabei nach wie vor von ihrem Vater unterstützt. Der 800 Quadratmeter große Keller, in dem neben den vollen Fässern und Flaschen auch die gesamten elektrischen Maschinen stehen, die für den Weinkelterungsprozess notwendig sind, stand komplett unter Wasser. „Die Geräte sind alle nicht mehr nutzbar und wir haben auch jede Menge Wein verloren – nicht alle Fässer konnten dem hohen Wasserdruck standhalten.“, erklärt Kriechel. „Das tut schon weh, aber andere haben noch viel mehr verloren. Wir müssen nun einfach positiv in die Zukunft schauen und alles gemeinsam wiederaufbauen.“ Dank der vielen Freiwilligen und der Mitarbeiter konnten immerhin um die 200.000 Flaschen aus dem verschlammten Keller gerettet werden. Doch das ist aktuell nicht die einzige Herausforderung.

„Falscher Mehltau“ durch häufige Regenfälle 


„Da wir die letzten Wochen hier alle mit Aufräumarbeiten beschäftigt waren, ist leider im gesamten Ahrtal die Arbeit in den Weinbergen zu kurz gekommen“, erklärt Kriechel nun weiter. „Und das ist unser großes Problem. Dieses Jahr hatten wir sowieso schon aufgrund der vielen Regenfälle sehr viel mit Peronospora, also „falschem Mehltau“ zu tun. Das ist eine Pilzart, die vor allem in besonders feuchten Zeiten unsere Weinpflanzen befällt.“ 


Während alle mit dem Aufräumen beschäftigt waren, konnte sich der Pilz weiter ausbreiten. „Bei solchen Wetterlagen muss man die Weinreben in regelmäßigen Abständen behandeln, damit sie gesund bleiben. Erschwerend kam nun hinzu, dass durch die erhebliche Wassermenge das Unkraut zwischen den einzelnen Pflanzenreihen ebenfalls in die Höhe geschossen war und so konnten die Trauben unterhalb der Blätter teilweise überhaupt nicht mehr trocknen.“ 
 


Deshalb muss jetzt dringend wieder mit dem Pflanzenschutz begonnen werden. Viele Helfer schneiden in den Weinbergen die Pflanzen zurück, damit Trauben und Blätter trocknen können und dann Pflanzenschutzmittel effizient eingesetzt werden können. Unterstützung gab es hierbei von Bayer: Um die noch vorhandenen Rebpflanzen vor weiteren ertragsgefährdenden Pilzinfektionen zu schützen, stellte Bayer Fungizide kostenlos zur Verfügung. Außerdem wurden die Winzer mit Schutzkleidung wie Schutzhandschuhen und Gummistiefeln versorgt. Wo es möglich ist, helfen Bayer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter den Winzern persönlich bei allen jetzt notwendigen Arbeiten. 

„Die Problematik mit dem echten und dem falschen Mehltau kennt keine Landesgrenzen.“
Markus
Markus Borkowski
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Teamleiter Vertrieb bei Bayer Crop Science

Einer von ihnen ist Markus Borkowski. Er arbeitet bei Bayer im Vertrieb der Division Crop Science und war in die Produktspende an die Winzer involviert. „Viele in der Region leben allein vom Weinanbau“, sagt er. „Einer meiner Söhne ist auch Winzer, zwar in Rheinhessen, aber die Problematik mit dem echten und dem falschen Mehltau kennt keine Landesgrenzen.“ Daher stand auch für ihn außer Frage, gemeinsam mit seinen Söhnen in den Weinbergen im Ahrtal zu helfen.
 

Auch in Zukunft wird Hilfe im Ahrtal gebraucht


„Doch es geht nicht nur um materielle Verluste“, sagt Franz-Josef Christ, „das hier ist unsere Heimat mit unserer besonderen Kultur, die es zu erhalten gilt.“ Die ersten Weinfeste nach dem Corona-Lockdown standen gerade vor der Tür. „Nach den Lockerungen hatte man sich hier schon so gefreut, endlich ein Stück Normalität zurückzubekommen. Jetzt stehen wir vor ganz anderen Herausforderungen“, weiß er. Doch bei Kriechel und vielen anderen Betrieben ist die Motivation groß: „Gemeinsam schaffen wir das. Und wer weiß, vielleicht wird es ja sogar noch schöner als zuvor.“

Um den Betroffenen in den Hochwassergebieten zu helfen, hat Bayer Sofort- und Sachspenden organisiert: Insgesamt sind über 1 Million Euro an Geld- und Produktspenden ausgezahlt worden, um Hilfsprojekte des Deutschen Roten Kreuz, der Gemeinschaftsstiftung Wuppertal, der Bürgerstiftung Leverkusen und der Caritas zu unterstützen. Knapp 200.000 Euro stammen von Bayer-Mitarbeiter:innen, die sich an einer Spendenkampagne für die Hochwasser-Hilfes des DRK engagiert haben. 

Darüber hinaus gibt das Unternehmen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die selbst vom Hochwasser betroffen sind oder Hilfsaktionen vor Ort unterstützen möchten, die Möglichkeit, sich dafür von der Arbeit für bis zu drei Tage freistellen zu lassen.

Weitere Informationen:  twitter.com/BayerDialog

Bayer-Mitarbeiter packen im Ahrtal an


Um die verschlammten Weinflaschen und damit die Existenz der Winzer der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr zu sichern, unterstützten 52 Bayer-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, indem sie Flaschen aus dem Schlamm bargen, reinigten und Weinreben schnitten. Innerhalb eines Tages wurden so 2,5 Hektar Weinreben bearbeitet und rund 3.500 Weinflaschen gereinigt. Initiiert wurde die Aktion vom Standortmanagement Monheim. Nach wie vor werden helfende Hände dringend gesucht. Hilfesuchende und Freiwillige können über die Plattform „Helfer Shuttle“ zusammengebracht werden. Über die Plattform werden Transporte in die betroffenen Gebiete an der Ahr organisiert.