Vorsorge statt Sorge vor COVID-19:

Was im Kampf gegen Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wichtig ist

Weniger Herz-Kreislauf-Probleme, weniger Krebsdiagnosen, insgesamt weniger Erkrankungen während der Corona-Pandemie: Was wie eine positive Entwicklung erscheint, ist tatsächlich zum größten Teil auf nicht wahrgenommene Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungstermine zurückzuführen – mit schwerwiegenden Folgen für die Patienten. Warum der Arztbesuch Leben retten kann.

Es scheint paradox: Das Gesundheitsbewusstsein der Menschen in Deutschland hat während der Corona-Pandemie zugenommen – und dennoch hat COVID-19 dazu geführt, dass viele Menschen Arztpraxen aus Angst vor Ansteckung meiden. Im Juni 2020 gaben 71 Prozent der Ärzte an, dass Patienten wichtige Behandlungen aufschieben – und somit gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen.1 Doch es sind nicht nur Behandlungen, die ausgesetzt werden, viele Menschen gehen seit Beginn der Pandemie auch nicht mehr zu Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheits-Check-ups. 11 Prozent der Teilnehmer einer Befragung gaben an, Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wegen der Corona-Lage nicht wahrzunehmen. Bei Check-ups waren es sogar 16 Prozent.2

 

 

Frühe Diagnose bei Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen entscheidend für Behandlungserfolg

Die generelle Nachlässigkeit bei der Vorsorge – nur jeder vierte Mann geht zum Beispiel zur Krebsfrüherkennung3 – wird durch die Angst vor Ansteckung mit COVID-19 noch verstärkt. Während sich die Lage über den Sommer normalisierte4 ist es nicht unwahrscheinlich, dass Patienten jetzt bei hohen Infektionszahlen den Praxen wieder fernbleiben. Dabei kann eine frühe Diagnose bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs überlebenswichtig sein.

 

„Durch eine Pandemie lässt sich eine Krankheit wie Krebs nicht beeindrucken. Es wird weiterhin mindestens die gleiche Anzahl an Krebserkrankungen geben“, weiß Mathias Rossberg. Durch nicht wahrgenommene Vorsorgetermine bleiben viele Erkrankungen unerkannt. Rossberg verantwortet bei Bayer den Bereich Onkologie und bringt Ärzten, Krankenkassen und Patientenverbänden unter anderem neue Medikamente und Therapien näher.

Mathias Rossberg leitet bei Bayer Deutschland den Bereich Onkologie.

Regelmäßige Screenings sind bei der Behandlung von Krebs besonders wichtig, da die meisten bösartigen Tumore im Anfangsstadium keine Beschwerden verursachen und oft unbemerkt bleiben. Das ist nicht wie bei einem verpassten Zahnarzttermin. Eine nur um wenige Wochen verschobene Untersuchung kann zum Beispiel bei einem Lungenkarzinom darüber entscheiden, ob der Krebs erfolgreich zu therapieren ist.

 

Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Vorsorge und damit eine rechtzeitige Diagnose entscheidend. Noch wichtiger ist aber, bei akuten Ereignissen unbedingt den Notarzt zu rufen. Da darf nicht gezögert werden – auch nicht aus Angst vor COVID-19. „So viele schwere Verläufe von Schlaganfällen und Herzinfarkten wie zurzeit haben Ärzte aufgrund der an sich guten Vorsorge, der Therapien und der guten Notfallversorgung seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Wir müssen die Patienten unbedingt davon überzeugen, dass sie trotz der Pandemie ihre Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und bei Beschwerden direkt einen Arzt kontaktieren“, sagt der Kardiologe Martin van Eickels, der bei Bayer im Bereich Medical Affairs verschiedene Therapiegebiete verantwortet.

 

"Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall ist eine schnelle medizinische Versorgung unerlässlich, um schwerwiegende Folgen bis hin zum Tod zu vermeiden."

Der Kardiologe Martin van Eickels ist bei Bayer im Bereich Medical Affairs für verschiedene Therapiegebiete verantwortlich.

Ergo: Bei typischen Herzschmerzen, Luftnot oder Engegefühl im Brustbereich sollte umgehend der Notruf 112 gewählt werden. 

 

 

Symptome von Herzinfarkten und Schlaganfällen werden häufig zu spät erkannt
Symptome von Herzinfarkten und Schlaganfällen werden häufig zu spät erkannt.

 

Risikogruppen schützen, Behandlungen fortsetzen

Für viele Patienten, die bereits aufgrund einer chronischen Erkrankung wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten in Behandlung sind, stellt die Pandemie eine zusätzliche Belastung dar. Betroffene zählen zu den Gruppen, für die ein erhöhtes Risiko für schwerere Verläufe einer COVID-19-Erkrankung besteht. Die Verunsicherung ist dementsprechend groß, die Folgen einer nicht fortgesetzten Behandlung sind jedoch ungleich größer. „Therapien sollten nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt ausgesetzt oder verschoben werden. Bei Krebspatienten wachsen unter Umständen Tumore weiter oder bilden Metastasen, die später nur schlecht oder gar nicht behandelbar sind“, erklärt Mathias Rossberg.

 

„Die aktuelle Situation wirft bei vielen Patienten und Angehörigen Fragen zur Behandlung und zu Schutzmaßnahmen auf“, sagt Rossberg. Wichtig sei, mit dem Arzt in Kontakt zu bleiben – und keinesfalls Medikamente ohne Rücksprache abzusetzen. Neben den sogenannten AHA-Maßnahmen (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen), die jeder einhalten sollte, haben Arztpraxen und Krankenhäuser Hygienekonzepte umgesetzt, um Patienten zu schützen.

 

 

Viele Menschen trauen sich aufgrund von COVID-19 nicht in die Arztpraxen und verpassen so wichtige Behandlungen. Zudem sind bei Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten Vorsorgeuntersuchungen überlebenswichtig. 

 

 

Digitale Lösungen bieten neue Möglichkeiten

In Zeiten der Corona-Pandemie setzen Ärzte außerdem auch auf digitale Lösungen zur Diagnose oder zur Unterstützung von Behandlungen – so nehmen immer mehr Menschen Video-Sprechstunden wahr. Apps, wie die kostenfreie Krebs-App „Mika“, eine digitale Plattform zur individuellen Begleitung von Krebspatienten und ihrer Angehörigen, können die Therapie zusätzlich unterstützen. Und Patienten mit Vorhofflimmern bietet Bayer etwa an, sich per SMS an die Einnahme von Tabletten erinnern zu lassen. 

 

„Künftig werden solche Anwendungen der digitalen Medizin weitaus mehr Möglichkeiten bieten“, sagt Martin van Eickels. Zum Beispiel arbeitet Bayer zur Verbesserung der Brustkrebsdiagnose aktuell an einem Computerprogramm, das mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Auffälligkeiten auf Röntgenbildern erkennt. Das kann für Ärzte bei der Diagnose eine enorme Arbeitserleichterung sein, da sie nicht mehr Aufnahmen von gesunden Frauen prüfen müssen, sondern sich auf die auffälligen Fälle konzentrieren können.

 

 

Die Pandemie ist ein Ansporn für Innovationen

Während die Pandemie den Einsatz digitaler Tools fördert, ist sie gleichzeitig ein zusätzlicher Ansporn, bessere, innovative Therapien zu entwickeln. „Krebstherapien haben häufig sehr starke Nebenwirkungen und schwächen das Immunsystem vieler Patienten. Dadurch können Viren nicht mehr gut abgewehrt werden“, erklärt Mathias Rossberg. Deshalb ist der Schutz vor COVID-19 für Krebspatienten besonders wichtig.

 

„Wir bei Bayer haben neue Medikamente auf den Markt gebracht, die zielgenau gegen den Krebs wirken“, so Rossberg. Die neuen Behandlungsprinzipien basieren auf dem Vergleich des Erbmaterials der Tumorzellen mit den gesunden Körperzellen, um Genveränderungen im Tumor aufzudecken und eine präzisere Therapie zu planen.5 „Die Pandemie zeigt, wie wichtig es ist, dass wir im Interesse der Patienten die Forschung an präziseren Therapien und Medikamenten mit weniger Nebenwirkungen weiter verstärken und beschleunigen.“

 

Auch im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird weitergeforscht. Unter anderem arbeiten Forscher des Unternehmens aktuell an einem neuen Medikament gegen chronische Nierenerkrankung. Rund 40 Prozent aller Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickeln diese Krankheit, bei der Betroffene allmählich ihre Nierenfunktion verlieren. Funktionieren die Nieren nicht mehr richtig, wirkt sich das auf den Blutdruck aus und erhöht die Belastung für das Herz.

 

 

Gemeinsam Leben retten

 

 

Auch wenn COVID-19 zurzeit im Fokus steht, dürfen wir Früherkennung, die Fortsetzung von Behandlungen sowie die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente und digitaler Lösungen nicht ansatzweise vernachlässigen – denn sie retten Leben. Doch Therapien können nur dann helfen, wenn Krankheiten rechtzeitig erkannt und behandelt werden – über Krebs und kardiovaskuläre Erkrankungen hinaus. Zeit also, die nächste Vorsorgeuntersuchung zu planen.