Pipeline-Einblicke

Auf dem Weg von P2X3 zur Behandlung von Nervenüberempfindlichkeit

Potenzielle neue Behandlungsoption für eine Vielzahl chronischer Krankheiten: Wie die gezielte Behandlung eines Mediators für übermäßige Nervenfasersignale die Lebensqualität von Patienten verbessern könnte, die an refraktärem chronischem Husten, Endometriose, neuropathischen Schmerzen oder überaktiver Blase leiden.

Was als Forschungsprojekt mit dem Ziel begann, eine bessere Behandlung für eine Erkrankung zu finden, hat sich zu einem Programm mit mehreren Indikationen entwickelt, das nun das Potenzial hat, eine sinnvolle therapeutische Option für eine Reihe ähnlicher, aber sehr unterschiedlicher Erkrankungen zu bieten, darunter refraktärer chronischer Husten, Endometriose, neuropathische Schmerzen und überaktive Blase. Alle diese Krankheiten sind zwar nicht lebensbedrohlich, beeinträchtigen aber das Leben einer großen Zahl von Patienten. Es wird angenommen, dass P2X3 eine Schlüsselrolle bei der Verursachung von Nervenüberempfindlichkeit und neurogenen Entzündungen spielt.

 

Der zugrunde liegende Mechanismus

P2X3 wird auf sensorischen Nervenfasern exprimiert und ist einer von vielen Rezeptoren, die die Signalwege der afferenten Nerven aktivieren, d. h. die axonalen Projektionen, die als Reaktion auf innere und äußere Reize in bestimmten Regionen des Gehirns ankommen. Unter normalen Umständen ist die Aktivität der P2X3-Signalübertragung eher gering, während sie unter den Bedingungen einer chronischen Entzündung durch P2X3 deutlich erhöht ist. Dr. Oliver Martin Fischer, Principal Scientist und Pharmakologie-Experte bei Bayer, erläutert: „Wir glauben, dass diese Nervenfasern unter bestimmten Krankheitsbedingungen überempfindlich werden, bis sie sogar ohne äußere Reize aktiviert werden – was bedeutet, dass etwas schief gelaufen ist.“ Mit der Zeit wird die Fähigkeit des Körpers, die Hyperaktivität der Rezeptoren für die Schmerzwahrnehmung oder die Reflexe zu beenden, beeinträchtigt, was z. B. zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Schmerzen oder chronischem Husten führt.

 

Innovation ins Leben rufen

Bayer erforscht nun Möglichkeiten, den P2X3-Rezeptor zu blockieren, der die schmerzhaften Symptome verursacht. „Wir entwickeln einen P2X3-Antagonisten namens Eliapixant, der in die Kanäle eingreift, die die Signale weiterleiten", sagt Fischer. „Ziel ist es, übermäßige Nervensignale zu eliminieren und die Überempfindlichkeit der Nerven zu verringern, die für refraktären chronischen Husten oder Endometrioseschmerzen verantwortlich sind. Letztlich würde dies eine enorme Erleichterung für die Patienten bedeuten.“

Eliapixant ist ein selektiver P2X3-Rezeptor-Antagonist, der aus der früheren strategischen Forschungsallianz von Bayer mit Evotec, einem globalen Unternehmen für die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln, hervorgegangen ist. Seit Beginn der klinischen Studien der Phase I ist Bayer allein für die weitere Entwicklung verantwortlich.

 

Ausblick auf das Projekt

Auf der Grundlage eines umfassenden biochemischen Verständnisses der Rolle von P2X3 bei chronischen Entzündungen beschloss Bayer, einen neuen Weg für seine klinische Entwicklungsstrategie zu beschreiten: Nicht nur eine, sondern mehrere mögliche Indikationen, bei denen neuronale Überempfindlichkeit eine Rolle spielt, sollten frühzeitig parallel verfolgt werden. Derzeit laufen mehrere klinische Studien mit Eliapixant: Im September 2021 berichtete Bayer über das positive Ergebnis einer Phase-IIb-Dosisfindungsstudie bei Patienten mit refraktärem chronischem Husten. Eine Phase-IIb-Studie in der Indikation Endometrioseschmerz läuft, ebenso wie zwei Phase-IIa-Studien, die Eliapixant bei überaktiver Blase und diabetischem neuropathischem Schmerz untersuchen.

Außerdem könnten in Zukunft möglicherweise weitere Indikationen ins Visier genommen werden. 

Fischer schlussfolgert: „Die ersten klinischen Daten sind ermutigend. Wir sind gespannt, ob unser P2X3-Antagonist die vielversprechenden Forschungsergebnisse in die klinische Praxis umsetzen und leidenden Patienten die dringend benötigte Linderung verschaffen kann.“

 

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