14
Mai
2024
|
07:29
Europe/Amsterdam

Bayer Q1 Media Update

Aus den Ausführungen des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)

Bill Anderson,
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG:

Vielen Dank, dass Sie heute bei der Vorstellung der Ergebnisse des ersten Quartals dabei sind. Seit unserem umfassenden Strategie-Update im März sind 70 Tage vergangen. Ich werde mich daher auf unsere Ergebnisse und die Fortschritte in den Themenfeldern konzentrieren, die wir im März vorgestellt haben. Darüber hinaus werde ich auf unsere Prioritäten für die nächste Zeit eingehen. Damit sollte genügend Zeit für Ihre Fragen bleiben.

Ich beginne mit unseren Ergebnissen im ersten Quartal. Der Umsatz lag bei 13,8 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt – und darauf beziehe ich mich auch bei meinen weiteren Ausführungen – liegen wir damit leicht unter dem Wert im Vorjahresquartal. Wir haben einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,82 Euro erzielt. Und schließlich lag der Free Cashflow bei minus 2,6 Milliarden Euro. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die hauptsächlich auf geringere Zahlungen für Rechtsstreitigkeiten zurückgeht. Insgesamt entspricht dieses Ergebnis unseren Erwartungen und wir bekräftigen unseren Ausblick für 2024 bei konstanten Wechselkursen.

Wolfgang wird in ein paar Minuten ausführlicher auf die Finanzergebnisse eingehen. Ich konzentriere mich auf die wichtigsten Erfolge und Herausforderungen des ersten Quartals.

Zunächst die Erfolge: Bei Crop Science haben wir in einem schwierigen Marktumfeld eine bessere Umsatzentwicklung als sämtliche Wettbewerber erzielt. Bei Pharmaceuticals unterstützten die neuen Produkteinführungen Nubeqa™ und Kerendia™ unser Umsatzwachstum. Und bei Consumer Health setzt das Dermatologie-Geschäft seinen beeindruckenden Wachstumskurs fort.

Wie Sie wissen, haben wir aber auch einige Herausforderungen zu managen: Niedrige Glyphosatpreise beeinträchtigten unsere Profitabilität bei Crop Science. Und wir bekommen bei Pharma zunehmenden Druck durch Generika in einigen Märkten – auch wenn unser Team für Xarelto™ im vergangenen Quartal sogar ein leichtes Umsatzwachstum erreicht hat.

Schließlich haben Währungseffekte unsere Profitabilität in allen drei Divisionen belastet, insbesondere bei Consumer Health.

Zwar können wir nie mit rückläufigen Zahlen zufrieden sein. Aber angesichts der Marktdynamiken – insbesondere in der Landwirtschaft – können wir sagen, dass unsere Teams im ersten Quartal geliefert haben. Darauf bin ich stolz und darum auch zuversichtlich, dass wir unsere Jahresziele erreichen.

Wir haben aber auch eine Menge erreicht, das sich nicht sofort in Geschäftszahlen niederschlägt. Im März habe ich die vier Bereiche vorgestellt, auf die wir uns konzentrieren, um Bayer wieder auf Kurs zu bringen. Zwei Monate später haben wir in all diesen Bereichen Fortschritte erzielt.

Zu Wachstum und Innovationen: Bei Pharma hat Elinzanetant in allen drei Studien der späten Entwicklungsphase durchweg positive Topline-Ergebnisse geliefert. Die ersten Daten des OASIS-Programms werden am Freitag bei einem Kongress in den USA präsentiert und unsere Vorbereitungen für die Beantragung der Marktzulassung laufen auf Hochtouren.

Ein weiteres Highlight im ersten Quartal war die Einlizenzierung von Acoramidis von BridgeBio. Das ist eine großartige Gelegenheit und wir bereiten uns bereits auf den Vermarktungsstart dieses wichtigen Produkts im Jahr 2025 vor.

Bei Crop Science bauen wir unsere Marktführerschaft aus.  Mit innovativen Markteinführungen wie hunderten neuen Hybriden und Saatgutsorten sowie neuen Pflanzenschutzformulierungen konnten wir unsere Wettbewerber im ersten Quartal übertreffen. Erst vor kurzem haben wir eine Vereinbarung mit AlphaBio Control unterzeichnet, die uns das Exklusivrecht für die Vermarktung des ersten biologischen Insektizids für Ackerkulturen gibt.

Und im Bereich Consumer Health haben wir im vergangenen Monat Iberogast™ in den USA eingeführt. Wir haben dieses bewährte Produkt im Jahr 2013 übernommen und es seitdem in vielen Ländern innerhalb und außerhalb Europas eingeführt. Ich habe es selbst bereits verwendet. Nun bekommen auch Millionen Amerikaner, die gelegentlich Probleme mit ihrer Verdauung haben, die Möglichkeit, Iberogast™ zu nutzen.

Zum Thema Rechtsstreitigkeiten: Vor rund zwei Wochen hat ein Berufungsgericht im Bundesstaat Washington zu unseren Gunsten entschieden und ein Urteil in Höhe von 185 Millionen US-Dollar vollständig aufgehoben. Das ist ein wichtiger Erfolg, weil er möglicherweise Auswirkungen über den Fall hinaus hat. Schließlich sind die Fehler, die das Berufungsgericht identifiziert hat, auch für alle anderen Fälle relevant, die zu dieser Schule, dem Sky Valley Education Center, anhängig sind.

Was ist in diesem Fall also passiert? Erstens verwarf das Gericht einen wesentlichen Teil der wichtigsten Zeugenaussage der Kläger bezüglich der Exposition. Diese Entscheidung wirkt sich sowohl auf frühere als auch auf künftige Prozesse aus. Das Gericht befand diese Zeugenaussage als, ich zitiere, „unzuverlässig, ungeprüft oder Junk Science“.

Zweitens stellte das Gericht fest, dass wir unzulässigerweise daran gehindert wurden, ein wichtiges rechtliches Verteidigungsargument vorzubringen – ein entscheidender Fehler, der sich in vielen der nachfolgenden Prozesse wiederholte.

Die Klägerseite wird gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass das Urteil des Berufungsgerichts in diesen beiden Punkten im Einklang mit dem geltenden Recht steht.

Jetzt zu Glyphosat:  Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gerichtssäle steht dieses Thema weiterhin ganz oben auf unserer Agenda – denn es geht um mehr als nur um uns. Wenn die nachhaltige Versorgung mit Glyphosat auf dem Spiel steht, hat das weitreichende Folgen für unser Unternehmen, für die Landwirtschaft in den USA, für die Lebensmittelpreise und für die Welt insgesamt. Landwirte in den Vereinigten Staaten sind sich dessen bewusst. Und sie sind besorgt. Aus diesem Grund haben sich mehr als 80 Gruppen der Modern Ag Alliance angeschlossen – einer Koalition, die sich dafür einsetzt, dass die US-Landwirtschaft durch wissenschaftlich fundierte Gesetze reguliert wird – und nicht durch die Klägerindustrie. Im Klartext: Wir wollen, dass die Gesetzgeber die Stimme der amerikanischen Landwirte hören. Darüber hinaus suchen wir nach neuen Wegen, um dieser Bedrohung für unseren Betrieb zu begegnen. Wir wägen sorgfältig ab, was der beste Weg für die amerikanischen Landwirte, die amerikanischen Verbraucher und unsere Beschäftigten ist.

Nun zum Cashflow: Bei unserer Hauptversammlung vor rund drei Wochen haben sich die Aktionäre zu 99 Prozent für unseren Vorschlag zur Dividende ausgesprochen. Das ist eine überwältigende Zustimmung zu einer so einschneidenden Maßnahme. Sie wird uns helfen, den Hebel umzulegen und die finanzielle Situation unseres Unternehmens zu verbessern. Über diese Entscheidung hinaus wird Wolfgang in wenigen Minuten darauf eingehen, wie wir die Liquidität unseres Unternehmens verbessern wollen.

Schließlich zu Dynamic Shared Ownership: Zu den übergreifenden Impulsen für unser Unternehmen werde ich gleich mehr sagen. Zunächst möchte ich mich auf die erfolgten organisatorischen Veränderungen konzentrieren. Sowohl die Teams bei Crop Science als auch bei Pharmaceuticals haben ihre neue Organisationsstruktur kommuniziert. Julio hat die Sparte Consumer Health erst vor zwei Wochen übernommen, auch dort wird die Organisation jetzt schnell und gezielt umgebaut. Wir konsolidieren Verantwortlichkeiten, bauen Hierarchieebenen ab und schaffen Teams, die schlagkräftiger arbeiten können. Unser Senior Leadership Circle ist deutlich kleiner als noch vor einem Jahr. Allein im ersten Quartal haben wir 1.500 Stellen abgebaut, rund zwei Drittel davon auf Management-Ebenen. Für 2024 peilen wir nachhaltige Kosteneinsparungen von 500 Millionen Euro und zwei Milliarden Euro im Jahr 2026. Wir werden weiterhin vierteljährlich darüber berichten, wie sich unsere Organisation weiterentwickelt.

Es geht aber um viel mehr als die Stellenanzahl oder Ziele für die Kosteneinsparungen. Es geht um unsere Innovationsfähigkeit, unser Wachstum und Verbesserungen für unsere Kunden.

Daran arbeiten unsere Teams bei Bayer. Bei Crop Science arbeiten mehr als 250 Teams nach Dynamic Shared Ownership, inklusive aller kundennahen Bereiche in den beiden größten Regionen Nord- und Lateinamerika.

Bei Pharmaceuticals sind es mehr als 180 Teams, inklusive der Teams für die Produkteinführungen von Nubeqa™, Kerendia™ und Eylea™ 8mg.

Und unsere 90 DSO-Teams bei Consumer Health berichten von Fortschritten bei der Entscheidungsfindung, den Lieferkapazitäten und der Umsetzung von Innovationen.

Insgesamt haben wir die Anzahl der Kunden- und Produktteams in nur fünf Monaten verzehnfacht.

Es war ein ereignisreicher Jahresstart bei Bayer. Es gibt viele Veränderungen und das kann eine große Organisation belasten. Aber ich bin jeden Tag aufs Neue inspiriert vom Engagement unserer Beschäftigten für unsere Mission und für kontinuierlich bessere Ergebnisse. Deshalb bin überzeugt, dass Bayer in diesem und in den kommenden Jahren noch viele Erfolge feiern wird – nicht nur auf dem Fußballfeld. Wir sind stolz auf unsere Kollegen von Bayer 04 und freuen uns, dass wir uns ein Beispiel an ihnen nehmen können. Von Quartal zu Quartal werden wir uns darauf konzentrieren, Bayer konsequent auf eine bessere Performance auszurichten.

Bevor ich das Wort an Wolfgang übergebe, möchte ich Ihnen noch einige Highlights nennen, die die nächsten Monate bei Bayer bestimmen werden.

Das Pharma-Team erwartet bald die Ergebnisse der ersten Phase-III-Studie zu Kerendia™ bei Herzinsuffizienz. Außerdem erwarten sie die Ergebnisse der ARANOTE-Studie für Nubeqa™.

Unser Team bei Crop Science arbeitet mit Landwirten in den USA an der Markteinführung des Preceon™ Smart Corn Systems, zu dem der Kurzhalmmais gehört. Diese Technologie könnte die Landwirtschaft nachhaltig verändern und auf mehr als 89 Millionen Hektar Ackerfläche verbreitet werden.

Und unser Team bei Consumer Health konzentriert sich auf effektive Markteinführungen, um das Beste aus der Wissenschaft für die Kunden herauszuholen.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was in unseren Pipelines und Produktportfolios passiert. Wir sind zuversichtlich, was unsere Aussichten für dieses Jahr betrifft. Und nun möchte ich das Wort an Wolfgang übergeben, der Ihnen mehr über unsere Finanzergebnisse berichten wird.


Wolfgang Nickl,
Finanzvorstand der Bayer AG:

Danke Bill. Ich möchte die Ergebnisse des ersten Quartals etwas näher erläutern.

Unsere Finanzergebnisse sind weitgehend wie erwartet ausgefallen.  Währungs- und portfoliobereinigt lag der Umsatz im ersten Quartal mit einem Minus von einem Prozent leicht unter dem Vorjahreswert. Der berichtete Rückgang um vier Prozent erklärt sich durch Wechselkurseffekte in Höhe von etwa 500 Millionen Euro.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag bei 4,4 Milliarden Euro und damit ein Prozent oder etwa 60 Millionen Euro unter dem Vorjahresquartal. Hier sehen wir zwei wesentliche Effekte, die sich gegenseitig ausgeglichen haben: Ein Rückgang der Profitabilität bei Crop Science, der größtenteils auf die niedrigeren Preise für Glyphosat zurückzuführen ist, und ein positives Ergebnis in der Überleitung, das auf geringere Rückstellungen für langfristige variable Vergütungsbestandteile zurückzuführen ist.

Darüber hinaus wurde unser EBITDA vor Sondereinflüssen durch Wechselkurseffekte in Höhe von etwa 200 Millionen Euro belastet.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 2 Euro und 82 Cent um 13 Cent oder 4 Prozent unter dem Vorjahreswert, was vor allem auf höhere Zinszahlungen und Wechselkurseffekte zurückzuführen ist. Das bereinigte Finanzergebnis entspricht unserer Prognose von rund minus 2,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr.

Der Free Cashflow belief sich auf minus 2,6 Milliarden Euro. Dass er im ersten Quartal negativ ist, entspricht dem Geschäftszyklus in der Landwirtschaft. Im Vergleich zum Vorjahr sehen wir aber eine Verbesserung von 1,5 Milliarden Euro, was vor allem auf geringere Auszahlungen im Zusammenhang mit den PCB-Rechtsstreitigkeiten zurückzuführen ist. Wir konzentrieren uns darauf, die Umsetzung von Ergebnis in Cash zu verbessern und das Working Capital aktiv zu managen. Dabei sehen wir für den Cashflow im ersten Quartal positive Ergebnisse durch die bessere Steuerung unserer Vorräte.

Die Nettofinanzverschuldung stieg bis zum Ende des 1. Quartals auf 37,5 Milliarden Euro, was der saisonalen Abhängigkeit unseres Cashflows entspricht. Zusätzlich beeinträchtigte die Aufwertung des US-Dollars die Verschuldung.

Damit kommen wir zum Ausblick. Auf Grundlage der jüngsten Prognosen bekräftigen wir unseren Ausblick für das Gesamtjahr bei konstanten Wechselkursen.

Bei Crop Science sind wir weiterhin gut positioniert, um das vierte Jahr in Folge Wachstum in unserem Kerngeschäft zu erzielen und innerhalb der Guidance zu bleiben. Die wichtigsten Faktoren, die wir für unser Kerngeschäft erwarten, sind höhere Pflanzenschutzvolumina und höhere Preise bei Mais, letzteres trotz geringerer Anbauflächen. Bei Glyphosat rechnen wir mit niedrigeren Preisen, die teilweise durch höhere Volumina ausgeglichen werden.

Bei Pharmaceuticals erwarten wir dieses Jahr weiterhin zunehmenden Gegenwind für Xarelto™, was für die Division in den kommenden drei Quartalen zu Umsatzrückgängen gegenüber dem Vorjahr führen dürfte. Auf Basis der Ergebnisse des ersten Quartals erwarten wir die Jahresprognose der Division für 2024 zu erfüllen.

Bei Consumer Health arbeiten wir weiter an der Verbesserung der Lagerbestände und konzentrieren uns darauf, den Konsum anzukurbeln. Darüber hinaus bringen wir neue Innovationen auf den Markt. Damit planen wir, im zweiten Quartal wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren und das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte zu beschleunigen.

Die Wechselkurserwartungen haben wir aufgrund der jüngsten Kurse von Ende März angepasst. Im Vergleich zu den Kursen von Ende Dezember wurde der US-Dollar aufgewertet.  Dies wirkt sich zwar positiv auf unseren Umsatz aus, hat aber einen proportional höheren negativen Effekt auf unsere Kosten. Darüber hinaus werden unsere Schulden in US-Dollar negative beeinflusst. Gleichzeitig haben andere Währungen, wie der argentinische Peso, die türkische Lira und der japanische Yen deutlich an Wert verloren.

Diese Einschätzungen zu den Währungseffekten bedeuten folgendes:
Das erwartete Umsatzwachstum bleibt aufgrund der sich ausgleichenden Währungseffekte in der angegebenen Bandbreite. Gleichzeitig erwarten wir jetzt ein größeres Minus beim EBITDA vor Sondereinflüssen von 4 Prozentpunkten, verglichen mit etwa minus 3 Prozentpunkten zuvor. Dies entspricht einem Währungseffekt von etwa minus 30 Cent auf den bereinigten Gewinn je Aktie. Außerdem haben wir unsere Wechselkurserwartungen für den Free Cashflow auf etwa minus 300 Millionen Euro und die Nettofinanzverschuldung auf etwa 500 Millionen Euro aktualisiert.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Erläuterungen können bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Website www.bayer.com/de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben

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