Regenerative Landwirtschaft: Kleinbauern aus Afrika fordern besseren Zugang zu neuen Technologien
Landwirtinnen und Landwirte aus der Subsahara-Region kommen in Rom zusammen, um die Vorteile vielfältiger agronomischer Praktiken und Technologien im Hinblick auf Produktivität, Bodengesundheit, Artenvielfalt, Wasserspeicherung und Anpassung an den Klimawandel zu diskutieren / Eine neue Agrarpolitik, finanzielle Zusagen und Wissenstransfers können dazu beitragen, regenerative Praktiken besser zu nutzen und die Widerstandsfähigkeit des Agrarsektors zu stärken / Den teilnehmenden Landwirten zufolge braucht es eine ergebnisorientierte, technologieoffene und evidenzbasierte Agrarpolitik, um die Lebensgrundlage der Kleinbauern zu verbessern
Rom/Italien, 8. Oktober 2024 – Kleinbauern in Afrika profitieren von regenerativer Landwirtschaft und vielfältigen Anbaupraktiken, sie brauchen jedoch einen besseren Zugang zu neuen Technologien. Das ist das Ergebnis des Runden Tischs afrikanischer Landwirte, der zum zweiten Mal von der Päpstlichen Akademie für das Leben, Bayer, dem Global Farmer Network, dem Weltbauernverband (WFO), der African Agricultural Technology Foundation (AATF) und dem Inter-American Institute for Cooperation on Agriculture (IICA) veranstaltet wird. Landwirte von der Elfenbeinküste, aus Kenia, Lesotho, Mali, Nigeria, Ruanda, Sambia, Südafrika und Uganda diskutieren mit politischen Entscheidungsträgern und internationalen Experten darüber, wie eine Politik aussehen sollte, die es Kleinbauern ermöglicht, regenerative landwirtschaftliche Praktiken im großen Maßstab anzuwenden und die Ernährungssicherheit in Afrika zu verbessern.
So fordern die Kleinbauern die Weichenstellung in Richtung einer ergebnisorientierten, technologieoffenen und evidenzbasierten Agrarpolitik. In Kombination mit besseren Aus- und Weiterbildungsangeboten für die Landwirte und der gezielten Förderung regenerativer landwirtschaftlicher Praktiken würde dies einen großen Schritt hin zu mehr Produktivität bedeuten und gleichzeitig der Umwelt zugutekommen. Der Schlüssel dafür liege in einer Vielfalt landwirtschaftlicher Praktiken und Technologien. So sollten innovative Lösungen und traditionelle Methoden zusammengeführt und an die individuellen Bedürfnisse der Landwirte angepasst werden.
„Die überwiegende Mehrheit der Nahrungsmittel in Afrika wird von Kleinbauern erzeugt. Deshalb ist es wichtig, ihnen zuzuhören und zu erfahren, welche Herausforderungen sie angesichts des Klimawandels zu bewältigen haben“, erklärt Debra Mallowah, Leiterin der Region Afrika bei der Bayer-Division Crop-Science. „Wie wir heute gehört haben, spielen Bauern eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklung der Subsahara-Region. Privatwirtschaft und staatliche Organisationen müssen Hand in Hand mit politischen Entscheidungsträgern, internationalen Organisationen, Forschungseinrichtungen und der Zivilgesellschaft arbeiten. So können wir gemeinsam Infrastrukturen und Kapazitäten aufbauen, Forschung betreiben und in Innovationen investieren, damit ein Umfeld entsteht, das den Landwirten und letztlich uns allen zugutekommt.“
Die Landwirtin Elisha Lewanika aus Sambia unterstreicht die Bedeutung einer regenerativen Landwirtschaft und die Notwendigkeit geeigneter Anbaumethoden, um die Bodengesundheit und Ernteerträge zu verbessern: „Die Fruchtfolge, insbesondere das Abwechseln stickstoffbindender Pflanzen und Getreidesorten, erhält die Bodenfruchtbarkeit und gewährleistet nachhaltige Erträge. Wenn wir auf den Pflug verzichten, erhalten wir die Bodenstruktur, minimieren Erosion und schützen Bodenmikroben.“
Für Matente Kethisa aus Lesotho sind die Gesundheit und der Schutz der Böden von zentraler Bedeutung, um die klimawandelbedingten Herausforderungen zu meistern: „In meiner Heimatregion Nikito beginnt für uns Bauern alles mit dem Boden. Unser Fokus gilt dem Bodenschutz und der Verbesserung der Bodenqualität – durch Fruchtfolgen, Mulchen, Direktsaat und effektives Nährstoffmanagement.“
Die nigerianische Landwirtin Stella Thomas fügt hinzu: „Hybrides Saatgut und samenfeste Sorten sind heute zwar schon verfügbar, doch gentechnisch veränderte Kulturen bringen echte Vorteile, insbesondere was den Umgang mit Dürren und die Bekämpfung von Schädlingen betrifft. Dank gentechnisch veränderter Pflanzen kommen Landwirte mit deutlich weniger Herbiziden und Insektiziden aus, was sowohl der Produktivität als auch der Nachhaltigkeit zugutekommt.“
Amadou Sidibe aus Mali betont zudem die Vorzüge von Gewächshäusern, um die Folgen des Klimawandels abzumildern: „Während starke Regenfälle und Überflutungen vielen Regionen Westafrikas sehr zugesetzt haben, sind unsere Gewächshäuser davon weitgehend unberührt geblieben. In Trockenperioden nutzen sie 90 Prozent des verfügbaren Wassers auf höchst effiziente Weise. In Zeiten, in denen Klimaprognosen immer schwieriger werden, erleichtert das unser Leben als Landwirte sehr.“
Trotz der nachweislichen Vorteile vielfältiger Anbaumethoden beklagen die Landwirte Hindernisse beim Zugang zu geeigneten Instrumenten, um das Potenzial der regenerativen Landwirtschaft voll auszuschöpfen. Geringe staatliche und private Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E), hohe Vorlaufkosten für moderne Technologien, ein beschränkter Zugang zu Versicherungs- und Kreditangeboten sowie eine unzureichende Infrastruktur hinderten viele Kleinbauern daran, zum Umbau der Landwirtschaft hin zu mehr Produktivität und weniger Umweltbelastung beizutragen.
Um die regenerative Landwirtschaft voranzubringen, fordern die afrikanischen Kleinbauern die Regierungen auf, ihre bisherige Politik zu überdenken und den Zugang zu verschiedenen, auf die Bedürfnisse der Landwirte abgestimmten Technologien zu ermöglichen. Finanzinstitute seien darüber hinaus gefordert, Kredite zu günstigen Zinssätzen, Zuschüsse und Versicherungsprodukte speziell für Kleinbauern anzubieten, um so Anreize für Investitionen in moderne Technik und nachhaltige Praktiken zu schaffen. Entscheidend sei den Landwirten zufolge dabei auch der Ausbau des Aus- und Fortbildungsangebots durch Demonstrationsbetriebe, digitale Plattformen und landwirtschaftliche Beratungsdienste. Darüber hinaus brauche es mehr staatliche und private Investitionen in F&E und Kooperationen zwischen Unternehmen, landwirtschaftlichen Betrieben und Forschungsinstituten, um regionsspezifische Lösungen zu entwickeln und sowohl herkömmliche als auch innovative Praktiken zugänglich und erschwinglich zu machen.
Mehr als 50 Prozent der afrikanischen Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, die 35 Prozent, in manchen Ländern sogar 60 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Dennoch ist Afrika mit steigenden Lebensmittelimporten und ständiger Ernährungsunsicherheit konfrontiert. Gründe dafür sind geringe Produktivität, eine geringe Wertschöpfung pro Arbeitnehmer und eine ineffiziente Subsistenzlandwirtschaft mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 1,3 Hektar. Der Kontinent verfügt zwar über 65 Prozent der weltweit verbleibenden Ackerflächen, davon werden aber nur 10 Prozent genutzt.
Für Bayer ist regenerative Landwirtschaft ein ergebnisorientiertes Produktionsmodell, das die Bodengesundheit in den Mittelpunkt stellt und eine höhere Widerstandsfähigkeit der Betriebe als zentrales Ziel hat. Weitere Ziele sind die Eindämmung des Klimawandels, die Erhaltung oder Wiederherstellung der Biodiversität, die Einsparung von Wasserressourcen sowie die Steigerung der Erträge und damit auch die Förderung des wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehens von Landwirten und deren Gemeinden.
Über Bayer
Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen in den Life-Science-Bereichen Gesundheit und Ernährung. Getreu seiner Mission „Health for all, Hunger for none“ möchte das Unternehmen mit seinen Produkten und Dienstleistungen Menschen nützen und die Umwelt schonen – indem es zur Lösung grundlegender Herausforderungen einer stetig wachsenden und alternden Weltbevölkerung beiträgt. Bayer verpflichtet sich dazu, mit seinen Geschäften einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Gleichzeitig will der Konzern seine Ertragskraft steigern sowie Werte durch Innovation und Wachstum schaffen. Die Marke Bayer steht weltweit für Vertrauen, Zuverlässigkeit und Qualität. Im Geschäftsjahr 2023 erzielte der Konzern mit rund 100.000 Beschäftigten einen Umsatz von 47,6 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung beliefen sich bereinigt um Sondereinflüsse auf 5,8 Milliarden Euro. Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.com/de
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