Neue Genomische Techniken

Europas Schlüssel für Fortschritt und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft

a woman inspecting a plant in a lab

Die erfolgreiche Zukunft der europäischen Landwirtschaft hängt maßgeblich von der Bereitschaft ab, die sogenannten Neuen Genomischen Techniken (NGT) auf Basis klarer regulatorische Rahmenbedingungen willkommen zu heißen.

In der EU werden in den kommenden Wochen wichtige Weichen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit gestellt. Wenn Europa im Agrarsektor weiter vorne mitmischen will, sollte es Neue Genomische Techniken jetzt nicht ausbremsen. Während Länder wie die USA, Brasilien und China die Potenziale von NGT bereits umfassend nutzen und ihre regulatorischen Rahmenbedingungen auf wissenschaftlicher Grundlage kontinuierlich anpassen, riskiert Europa, den Anschluss an die internationale Entwicklung zu verlieren. Dies hätte weitreichende Folgen für die Souveränität und Innovationskraft des Kontinents.

 

NGTs wie CRISPR/Cas ermöglichen es, das Erbgut von Pflanzen gezielt und präzise zu modifizieren. Im Gegensatz zur klassischen Gentechnik, bei der fremde DNA eingefügt wird, werden hier nur Gene aus demselben Organismus adaptiert. Wissenschaftliche Studien, auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), belegen, dass die durch NGT erzeugten Veränderungen oft identisch sind mit denen, die durch konventionelle Züchtung oder natürliche Mutationen entstehen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Entwicklung von Eigenschaften wie Trockenheitsresistenz, Schädlingsabwehr und verbesserte Nährstoffaufnahme verkürzt sich um Jahre, in einigen Fällen sogar um Jahrzehnte. Dies ist insbesondere angesichts des Klimawandels und globaler Ernährungskrisen von enormer Bedeutung.

 

NGT-Pflanzen sind nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Wetterextremen und Schädlingen, sondern benötigen auch weniger Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel. Das trägt zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks der Landwirtschaft bei und stärkt die globale Ernährungssicherheit. Die Anpassung an klimatische Veränderungen und neue Schädlinge dauert mit traditionellen Züchtungsmethoden oft zu lange. NGT ermöglichen es, Pflanzen gezielt und schnell auf aktuelle Herausforderungen auszurichten. So kann zum Beispiel eine symbiotische Beziehung zwischen Pflanzen und Bodenbakterien durch gezielte Genom-Editierung die Abhängigkeit von synthetischen Düngemitteln verringern, Kosten senken und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

 

Ein immer wichtigerer Erfolgsfaktor ist in diesem Kontext der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). KI-Technologien können dabei helfen, die Datenanalyse in der Pflanzenzüchtung zu revolutionieren. Durch die Auswertung großer Datenmengen können Muster identifiziert werden, die die Entwicklung neuer Pflanzen mit gewünschten Eigenschaften beschleunigen. KI-gestützte Modelle ermöglichen es, Vorhersagen über die Leistung von Pflanzen unter verschiedenen Bedingungen zu treffen, was die Effizienz der Züchtung erheblich steigert.

 

Das Rennen um die Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist noch lange nicht entschieden. Aufholen kann Europa aber nur, wenn wir neue Technologien endlich konsequenter fördern und vorantreiben. Die gute Nachricht: Die Voraussetzungen sind da. Europa ist in der landwirtschaftlichen Forschung – sowohl öffentlich als auch privat – stark aufgestellt. Jetzt kommt es darauf an, dass diese Innovationen nicht im Labor steckenbleiben, sondern auch tatsächlich auf dem Acker ankommen.

 

Wir brauchen in der EU dringend ein entsprechendes Rahmenwerk, das wissenschaftlich fundiert, innovationsfördernd und wirtschaftlich zukunftsweisend für den Standort Europa auf dem Weg zu mehr technologischer Unabhängigkeit, ökonomischer Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigem Wachstum ist.

 

Politischer Stillstand ist keine Option. Die entscheidende Frage lautet: Quo vadis, EU?

Matthias Berninger
Matthias Berninger
Head of Public Affairs, Sustainability and Science
3 Min. Lesedauer