Warum müssen wir die Ernte schützen?

Für jeden Landwirt ist es selbstverständlich, seine Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern zu schützen – ebenso wie er seine Tiere behandelt, wenn sie krank sind oder unter Parasiten leiden.

Dieser Schutz ist dringend notwendig, denn allein die Gliederfüßler, zu denen u.a. Insekten, Tausendfüßer und Spinnentiere gehören, zerstören derzeit etwa 20 % aller Ernten weltweit.

 

Hinzu kommen Viren, Bakterien, Pilze, Würmer, Schnecken usw. Bei den fünf wichtigsten Feldfrüchten, die etwa die Hälfte aller Kalorien für die Ernährung der Weltbevölkerung beitragen, gehen derzeit trotz aller Anstrengungen und trotz moderner Pflanzenschutzmittel weltweit zwischen 17 und 23% (bei Reis sogar 30 %) aller Erträge durch Pflanzenschädlinge zugrunde.

 

Diese 2019 publizierten Zahlen stammen von einem Team von Forschern niederländischer, französischer und US-amerikanischer Universitäten. Ihre detaillierten Zahlen über die Wirkung von 137 Krankheitserregern und Schädlingen beziffern die Verluste im Einzelnen

 

  • Kartoffeln: 17,2 % (Spanne: 8,1-21 %)
  • Mais: 22,5 % (Spanne: 19,5-41,1 %)
  • Reis: 30 % (Spanne: 24,6-40,9 %)
  • Soja: 21,4 % (Spanne: 11,0-32,4 %)
  • Weizen: 21,5 % (Spanne: 10,1-28 %)


Dabei sind die höchsten Verluste in Gegenden zu verzeichnen, in denen ohnehin Lebensmittelknappheit herrscht, das Bevölkerungswachstum besonders stark ist und in denen periodisch bekannte und neue Schädlinge massenhaft auftreten.

 

Ohne moderne Pflanzenschutzmittel würden die Ernteverluste noch erheblich größer ausfallen – auf ein Viertel bis über die Hälfte schätzen sie internationale Agrarwissenschaftler.
Die Folgen eines solchen Ernteverlustes für Landwirte auf der ganzen Welt, aber auch für die weltweite Versorgung mit Lebensmitteln wären verheerend. Um genau das zu verhindern und die Ernte zu schützen, werden Pflanzenschutzmittel entwickelt und verantwortungsvoll eingesetzt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig.

 

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Auch der Klimawandel wird übrigens einen signifikanten Einfluss auf die Verbreitung von Schadinsekten haben. Forscher verschiedener US-amerikanischer Universitäten untersuchten 2018 in einer Studie den Einfluss von Schadinsekten in einer wärmer werdenden Welt. Sie konzentrierten sich auf drei wichtige Nahrungspflanzen: Mais, Reis und Weizen. Ihr Ergebnis: Die Schäden werden deutlich zunehmen. Insekten haben bei höheren Temperaturen eine höhere Stoffwechsel- und Fortpflanzungsrate. Das erhöht den Nahrungsbedarf und kann auch zum Wechsel auf andere Pflanzen führen. Zudem vergrößert der Klimawandel das Ausbreitungsgebiet von Insekten. Das Forscherteam schätzt, dass allein der Schaden durch Insektenbefall bei diesen drei Nahrungspflanzen in den kommenden Jahren pro Grad Celsius an globaler Erwärmung um 10 bis 25 % steigen wird. Auch sie kommen zu dem Schluss, dass vor allem die ärmeren Regionen der Welt betroffen sein werden.

 

Wie solche Plagen aussehen können, zeigen Bilder wie diese aus Afrika. Einer UN-Unterrichtung zufolge wurde in Kenia im Februar 2020 ein Schwarm aus 200 Milliarden Heuschrecken beobachtet, von denen jede soviel Nahrung zu sich nimmt, wie ihr Körpergewicht beträgt. Das entspricht dem täglichen Nahrungsbedarf von 84 Millionen Menschen.
Eine ähnliche Bedrohung geht vom Fall Army Worm, dem Herbst-Heerwurm aus.

 

Wie sich Landwirte vor solch verheerenden Ernteverlusten schützen, hat sich durch den technologischen Fortschritt stark verändert: Noch vor 50 Jahren mussten Schädlinge oft per Hand abgesammelt werden. Heute stehen Bauern viele moderne Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Und es gibt klare Regeln sowohl für die Zulassung als auch für den Einsatz – etwa für Sachkundenachweise, Dokumentationspflichten und die Einhaltung von Anwendungsvorschriften. Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln findet in umfassenden, langwierigen und streng geregelten Verfahren durch unabhängige Behörden statt. Das europäische Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel gehört zu den strengsten weltweit.