Was sind die großen Herausforderungen der Landwirtschaft?

Die Bedeutung der Landwirtschaft für die Zukunft des Lebens auf unserem Planeten ist kaum zu überschätzen. Wie kein anderer Bereich befindet sie sich an der Schnittstelle von drei globalen Herausforderungen.

Das Bevölkerungswachstum ist nach wie vor ungebremst: Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung von heute 7,6 Milliarden auf 9,7, Milliarden wachsen.
Diese Menschen zu ernähren, ist bereits für sich genommen eine gewaltige Aufgabe für die Landwirtschaft. Verschärft wird sie durch die Bekämpfung des Klimawandels und die Bedrohung der Artenvielfalt.

 

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Keine dieser drei Herausforderungen kann isoliert betrachtet, keine für sich gelöst werden. Der Klimawandel gefährdet durch Hitze, Dürre und Wetterextreme Anbauflächen und Wasserressourcen – mit teils verheerenden Folgen. Schätzungen zufolge dürfte beispielsweise die weltweite Weizenproduktion bei jedem weiteren Anstieg der globalen Temperatur um ein Grad Celsius durchschnittlich um sechs Prozent zurückgehen.
Gleichzeitig erhöht die stetige Zunahme einer zu ernährenden Weltbevölkerung den Druck auf Klima und Artenvielfalt. Laut Welt-Biodiversitätsbericht sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht.

 

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Angesichts der immensen Auswirkungen, die ein ungebremstes Fortschreiten von Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Artensterben hätte, gibt es nur einen Ausweg: Die moderne Landwirtschaft muss ihren Beitrag leisten. Es ist Zeit, auf Basis von Wissenschaft und Forschung neu zu denken – frei von Ideologie und Emotionen. Die Antworten der Vergangenheit passen nicht mehr zu den Fragen der Zukunft.

Fakt ist, unser heutiges landwirtschaftliches Produktionssystem ist nicht nachhaltig genug. Wir gehen nicht so verantwortungsvoll mit jedem Hektar Land um, wie es nötig wäre, um die begrenzten natürlichen Ressourcen dauerhaft zu erhalten. Verschärfend kommt hinzu, dass uns landwirtschaftlich nutzbare Flächen verloren gehen – vor allem durch Bodenerosion und Versalzung sowie zunehmende Verstädterung. Es ist also nichts weniger als ein Quantensprung bei der landwirtschaftlichen Produktivität nötig. Laut Prognose der Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), muss das Niveau bis 2050, verglichen mit 2012, um fast 50 Prozent steigen. Zur gleichen Einschätzung kommt der World Resources Report, den das World Resources Institute in Kooperation unter anderem mit der Weltbank, dem UN-Umweltprogramm (UN Environment) und dem UN-Enwicklungsprogramm (UNDP) Ende 2018 herausgegeben hat: „Die Effizienzsteigerung bei der Nutzung natürlicher Ressourcen ist die wichtigste Einzelmaßnahme für eine Nahrungsmittelproduktion auf ökologische Weise.“ Dies bedeute eine „Steigerung der Ernteerträge in einer neuen Größenordnung sowie eine dramatisch höhere Produktion von Milch und Fleisch pro Hektar Weideland, pro Tier (besonders Rind) und pro Kilogramm Düngemittel“.

 

Oft werden Globalisierung oder der Preisverfall für Nahrungsmittel als großes Nachhaltigkeitsproblem gesehen, aber die Daten sprechen dagegen. In Sachen Regionalität hat eine Forschergruppe der Universitäten Alto und Göttingen berechnet, wie viele Menschen weltweit ihre Grundnahrungsmittel (Weizen, Reis, Mais, Sorghum) beziehen könnten, wenn sie sie aus einem Umkreis von 100 km beschaffen müssten. Die Antwort ist ernüchternd: Wie die in Nature Food im April 2020 veröffentlichte Studie zeigt, wären das nur 11 bis 28 Prozent, nicht einmal ein Drittel der Weltbevölkerung (Getreide 22 bis 28 Prozent, tropische Knollen- und Wurzelgemüse nur 11 bzw. 16 Prozent). Für alle anderen müssen die Pflanzen eine längere Strecke zurücklegen; für die Hälfte dieser Menschen sogar mehr als 1.000 km. Für ein Viertel der Weltbevölkerung würde die Entfernung mehr als 5.200 km betragen Der Grund: Nicht jede Region hat einen für den Anbau von Nahrungsmitteln geeigneten Boden oder das richtige Klima, und einige Regionen sind weitaus besser geeignet als andere. Selbst wenn alle Lebensmittel vor Ort angebaut werden könnten, wäre es möglicherweise effizienter, sie von einem anderen Kontinent zu importieren.

 

Regionale Lebensmittelerzeugung, so die Autoren, ist nicht immer die beste und nachhaltigere Lösung als globaler Handel. Würde man den Anteils der inländischen Produktion durch politische Maßnahmen drastisch erhöhen, würden wahrscheinlich zwar sowohl die Lebensmittelverschwendung als auch die Treibhausgasemissionen verringert, gleichzeitig könnte dies jedoch in sehr dicht besiedelten Gebieten zu neuen Problemen wie Wasserverschmutzung und -knappheit sowie bei schlechten Ernten zu Hunger oder großflächiger Migration führen. Internationale Handelsflüsse blieben daher essentiell, um den Bedarf an Nahrungsmitteln weltweit zu decken.

 

Auch die „konservierende Landwirtschaft“ (d.h. konservierende Bodenbearbeitung, permanente Bodenbedeckung durch Zwischenfruchtbau oder Mulchen sowie Fruchtwechselwirtschaft), die vielfach von Wissenschaft und Politik als Schlüssel zur Überwindung der Probleme bei der Lebensmittelproduktion in Afrika angesehen wird, ist keine Patentlösung. Eine im Juli 2020 in Nature Food veröffentlichte Metaanalyse von 933 Studien aus 16 verschiedenen Ländern in Afrika südlich der Sahara zeigt, dass die durchschnittlichen Erträge dabei nur geringfügig höher sind als bei herkömmlichen Bodenbearbeitungssystemen (3,7 Prozent für sechs Hauptkulturarten und 4,0 Prozent für Mais). Die größten Ertragsvorteile der „konservierenden Landwirtschaft“ treten in Kombination mit geringen Niederschlägen und Herbiziden auf. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass diese Methoden Vorteile für den Bodenschutz bringen können, gerade aber für afrikanische Kleinbauern keine Lösung sind, um kurzfristig eine niedrige Ernteproduktivität und Ernährungsunsicherheit zu überwinden.

 

Notwendig ist also ein Mix von Lösungen mit dem Ziel, die Produktivität zu erhöhen, ohne die Anbauflächen zu vergrößern und zugleich Klima und Umwelt besser zu schützen. Denn wenn die landwirtschaftliche Produktivität bis 2050 konstant auf dem heutigen Niveau verharrt, könnte die Weltbevölkerung nur ernährt werden, wenn die meisten Wälder gerodet würden. Die Folge wäre das Aussterben tausender Tierarten und das Freisetzen von Treibhausgas-Emissionen in einem Maße, die das 1,5- bzw. 2-Grad-Ziel des Pariser Abkommens überschritten würde – sogar dann, wenn alle anderen vom Menschen verursachten Emissionen eliminiert werden würden.
Eine Schlüsselrolle, die notwendige Produktivitätssteigerung zu erreichen, spielen auch nach dem World Resources Institute Innovationen und verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung.

 

WAS WIR BRAUCHEN, SIND INNOVATIONEN.


Was auf den ersten Blick wie die Quadratur des Kreises anmutet, mit begrenzten, gefährdeten und daher zu schonenden natürlichen Ressourcen mehr Nahrungsmittel zu erzeugen, kann gelingen. Aber dafür ist ein Kurswechsel dringend nötig. Es kann nicht mehr darum gehen, einfach immer mehr zu produzieren. Das Dilemma aus Bevölkerungswachstum und begrenzten natürlichen Ressourcen zwingt uns, aus weniger mehr machen. Wir benötigen beispielsweise neuartige, in der Fläche angewandte digitale Lösungen, etwa um Pflanzenschutzmittel gezielt nur dort einzusetzen, wo wirklich Bedarf besteht. Wir brauchen außerdem Pflanzen, die extreme Temperaturen und Trockenheit besser ertragen. Und wir brauchen mehr Offenheit für innovative Technologien. Das gilt insbesondere für neue Methoden der Biotechnologie.

Die notwendige Forschung und Entwicklung hat ihren Preis. Allein Bayer investiert jährlich 2,4 Milliarden Euro in neue Technologien für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz – mehr als jedes andere Unternehmen der Branche.

 

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Immer wieder wird die Forderung nach einem kompletten Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel laut. Das Hauptargument: Früher ging es auch ohne Glyphosat und Co. Das stimmt. Zugleich waren aber auch die Ernteerträge weit geringer, als sie es heute sind.

 

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Zu Wahrheit gehört deswegen: Wir werden auch in Zukunft auf wirksame Pflanzenschutzmittel angewiesen sein – sei es auf chemischer, sei es auf biologischer Basis. Denn die Kulturpflanzen, von denen wir leben, müssen sich gegen 30.000 Unkrautarten und 10.000 Arten pflanzenfressender Insekten behaupten.

Agrarwissenschaftler gehen davon aus, dass ohne modernen Pflanzenschutz weltweit bis zu 40 Prozent der Ernten durch Schädlinge und Unkrautbewuchs verloren gehen würden. Fakten, die man berücksichtigen muss, wenn man die Methoden von gestern für die Landwirtschaft von heute und morgen fordert.

 

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Bayer hat sich zum Ziel gesetzt, die Auswirkungen seiner landwirtschaftlichen Produkte auf die Umwelt bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Dafür entwickeln wir neue Technologien, reduzieren die Menge an Pflanzenschutzmitteln und ermöglichen präzisere Anwendung. Es wird darum gehen, die besten Instrumente aus Saatgut, Pflanzeneigenschaften, digitalen Services und Pflanzenschutz miteinander zu kombinieren. Neben dem klassischen chemischen Pflanzenschutz werden biologische, rückstandsarme Pflanzenschutzmittel weiter an Bedeutung gewinnen. Ein zentraler Aspekt ist der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit sein, wofür gezielte Maßnahmen wie Fruchtwechsel und Begrünung wichtig sind.

Landwirte brauchen in Zukunft mehr Auswahl. Deshalb investiert Bayer in den nächsten zehn Jahren allein rund fünf Milliarden Euro, um zusätzliche Methoden der Unkrautbekämpfung zu erforschen.

Es geht uns nicht um eine bestimmte Form der Landwirtschaft. Wir wollen Wahlfreiheit für Bauern und Verbraucher und stehen für Vielfalt. Uns geht es darum, die Landwirtschaft produktiver und nachhaltiger zu machen, darum, die Probleme unserer Kunden zu lösen – vom Großbetrieb in den USA bis zum Kleinbauern in Indien, der nur einen halben Hektar Land bewirtschaftet. Unser Ziel ist eine moderne Landwirtschaft, die dazu beiträgt, die Herausforderungen des Bevölkerungswachstums, des Klimawandels und der Bedrohungen der Artenvielfalt zu lösen.