Erinnerungskultur

Keine Zukunft ohne Erinnerung

Two hands holding gold bricks

Als verantwortungsbewusstes Unternehmen möchte Bayer zur Widerstandsfähigkeit gegenüber Antisemitismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien beitragen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt – heute und in Zukunft. Deswegen leistet Bayer einen Beitrag zu einer neuen Erinnerungskultur innerhalb des Unternehmens – und darüber hinaus. Mehrere Initiativen fördern heute die Erforschung und Aufarbeitung der Aktivitäten der I.G. Farben während der Zeit des Nationalsozialismus. Indem wir uns bewusst mit unserer Rolle im Laufe der Geschichte auseinandersetzen, erarbeiten wir uns als Teil der globalen Gesellschaft einen ethischen Rahmen. Wir möchten eine Unternehmenskultur stärken, die unseren Werten und Prinzipien entspricht.

1925 schlossen sich sechs deutsche Unternehmen zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG, oder kurz: I.G. Farben, zusammen. Die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Die heutige Bayer AG ging 1952 aus der I.G. Farben hervor.

Erinnerung gestalten. Forschung vorantreiben. Resilienz stärken.

Die Hans und Berthold Finkelstein Stiftung stärkt die Erinnerungskultur im Unternehmen Bayer und unterstützt Forschungs- und Erinnerungsprojekte zu den Verbrechen der Nationalsozialisten – insbesondere zum Thema NS-Zwangsarbeit und der I.G. Farben. Sie entwickelt zudem Programme für eine durch historische Verantwortung geprägte Unternehmens- und Führungskultur, für demokratisches Handeln und treibt dialogorientierte Bildungsprojekte voran, um die Resilienzfähigkeit gegenüber Hass und Totalitarismus zu stärken.

Hans und Berthold Finkelstein Stiftung
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Bayer gründete die unabhängige Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gemeinnützige GmbH 2023.

Matthias Berninger
Indem wir die Geschichte der Finkelsteins würdigen, erinnern wir uns an die Vergangenheit, reflektieren bekannte und unbekannte Gräueltaten der I.G. Farben und erhalten die Erinnerung aufrecht, um dafür zu sorgen, dass so etwas in Zukunft nie wieder passiert. Dies ist auch ein Beitrag zum Kampf für die Freiheit und Meinungsvielfalt."
Matthias Berninger
,
Executive Vice President Public Affairs, Sustainability and Safety

Die Arbeit der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung basiert auf drei miteinander in Verbindung stehenden Säulen:

Die Stiftung setzt sich mit dem Erbe der I.G. Farben auseinander, gestaltet zeitgemäße Erinnerung und macht die Geschichten von Opfern und Tätern, insbesondere zur NS-Zwangsarbeit sichtbar.


Annette Schavan, ehemalige Bundesministerin für Forschung und langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestags, wurde zur Vorsitzenden des Beirats ernannt. Seit 2019 ist Schavan zudem Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung EVZ.

Portrait von Annette Schavan
Mit der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung trägt Bayer aktiv zur Erinnerungskultur bei. Die Geschichte der Familie hat mich tief bewegt und es ist mir eine Ehre, an dem wichtigen Unterfangen der Stiftung und der Würdigung des Erbes der Finkelsteins beteiligt zu sein.“
Annette Schavan
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ehemalige Bundesministerin für Forschung und langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestags, Foto: Laurence Chaperon © Annette Schavan
Originalaufnahme von Dr. Hans Finkelstein im Gespräch mit Kollegen. Laboransicht aus dem Werk Uerdingen, 1932. Portrait von Berthold Finkelstein
Linkes Bild: Dr. Hans Finkelstein (l.) im Gespräch mit Kollegen. Laboransicht aus dem Werk Uerdingen, 1932. © Bayer AG, Bayer Archive Leverkusen
Rechtes Bild: Hans Finkelsteins Sohn Berthold Finkelstein leitete bis 1996 das Gustav-Stresemann-Institut. © Gustav-Stresemann-Institut e.V.

Bei der Geschichte der Finkelsteins schauen wir vor allem auf Dr. Hans Finkelstein und seinen Sohn Berthold, die beide Verbindungen zur I.G. Farben hatten und stellvertretend für das Schicksal verfolgter Menschen bei der I.G. Farben während des Nationalsozialismus stehen. Ihre Geschichte trat bei Forschungsaktivitäten im Bayer Archiv zutage. Wir wissen, dass viele weitere Geschichten wie diese bisher im Verborgenen geblieben sind und vielleicht auch bleiben werden. Erzählen können wir sie nur durch umfangreiche und systematische Forschung und die gezielte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Recherchen sind noch nicht abgeschlossen und wir unterstützen sie weiterhin. Indem wir Geschichten wie diese erzählen, tragen wir dazu bei, das Gedenken an sie aufrechtzuerhalten. Wir möchten dafür sorgen, dass weder ihr Schicksal noch das anderer Opfer jemals vergessen wird.

Erfahren Sie mehr über das Schicksal der Familie Finkelstein

Gemeinsam ein Zeichen setzen

2025 jährte sich die Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz zum 80. Mal. Aus diesem Anlass hatte der World Jewish Congress Bill Anderson sowie weitere Vertreter*innen deutscher Unternehmen zur offiziellen Gedenkfeier in Oświęcim/ Auschwitz in Polen eingeladen.

Bill Anderson talking
CEO Bill Anderson bei der Gedenkfeier in Monowice, einem Stadtteil des heutigen Oświęcim. © Bartek Dąbrowski

Die Gedenkzeremonie stand im Zeichen der letzten Überlebenden des Holocaust. Anwesend waren außerdem Repräsentanten jüdischer Gemeinschaften. Neben der formellen Gedenkveranstaltung mit rund 3.500 Gästen im ehemaligen KZ und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, besuchte Bill Anderson mit weiteren Unternehmensvertretern den Ort Monowitz (Auschwitz III) und die heutige Stadt Oświęcim. Während des Besuchs reflektierten die Teilnehmenden über die Geschichte ihrer Unternehmen und bekräftigten ihr Engagement im Kampf gegen Antisemitismus und für die Wahrung der Menschenrechte.

Bill Anderson headshot
Gemeinsam müssen wir sicherstellen, dass die Stimmen der Vergangenheit in unserem Handeln weiterklingen – heute und in Zukunft.“
Bill Anderson
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CEO of Bayer

Leadership-Seminar in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Auschwitz: Ethik, historische Verantwortung und Erinnerungskultur im Fokus

In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Bildung über Auschwitz und den Holocaust (ICEAH) sowie der Gedenkstätte Auschwitz hat Bayer ein bisher einzigartiges Leadership-Seminar für Senior Leaders entwickelt. Seit 2023 bietet das Programm einmal im Jahr die Möglichkeit zu gemeinsamer Reflexion über Ethik im Unternehmenskontext, gesellschaftliche Verantwortung und die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur.

Aus der Geschichte lernen – Verantwortung verstehen

Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die Auseinandersetzung mit der Unternehmensgeschichte von Bayer und den historischen Verbindungen zur I.G. Farben. Die Ziele: Top-Führungskräften einen vertieften Blick auf Fragen moralischer Verantwortung eröffnen und sie dazu befähigen, Grauzonen in ihren Entscheidungsspielräumen besser zu erkennen und informierte Entscheidungen zu treffen – insbesondere in Zeiten geopolitischer Spannungen und gesellschaftlicher Polarisierung:

  • Welche Rolle spielt Erinnerungskultur für ethische Entscheidungen im Geschäftsalltag?
     
  • Wie gelingt verantwortungsvolles Handeln unter Druck?
     
  • Welche Formen von Resilienz benötigen Führungskräfte heute?

 

Erfahrungen aus bisherigen Seminarjahrgängen zeigen, dass das Programm tief bewegt und nachhaltige Lernimpulse setzt. 

Die Erfahrung war zutiefst emotional und zugleich die prägendste Führungserkenntnis meiner gesamten Laufbahn. Sie hat mich gelehrt, unabhängig von den Umständen stets höchste ethische Standards und persönliche Integrität zu wahren – und Themen offen anzusprechen, auch wenn dies Konsequenzen haben kann.“

Erinnerungsort für die Opfer von Zwangsarbeit an den Niederrheinstandorten der I.G. Farben

BAG Memorial
Erinnerungsort für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der I.G. Farben an den Niederrheinstandorten neben dem Hauptsitz der Bayer AG in Leverkusen. © Marcus Mueller Saran

 

Um eine von Erinnerung und Reflektion geprägte Unternehmenskultur zu verankern, hat Bayer neben seinem Hauptsitz in Leverkusen einen Erinnerungsort zum Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit bei der I.G. Farben während des Zweiten Weltkriegs errichtet. Er erinnert an rund 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus zahlreichen besetzten Ländern Europas, die an den Niederrheinstandorten eingesetzt wurden, um zwischen 1940 und 1945 die Produktion auszubauen. Nach den vorhandenen Unterlagen waren etwa ein Drittel der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Frauen. Die meisten Menschen waren bei ihrer Ankunft 17-23 Jahre. Die Jüngsten waren noch Kinder.

 

Der Erinnerungsort wurde von einer interdisziplinären Gruppe von Künstlern und Designern unter der Leitung von Prof. Jussi Ängeslevä von ART+COM Studios entworfen und gebaut. Das Ziel bestand darin, eine physische und künstlerische Interpretation von Originaldaten mit Informationen über die rund 16.000 Menschen aus den Bayer Archiven zu schaffen. Der Erinnerungsort soll mitten im Herzen des Unternehmens in Leverkusen eine individuelle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglichen. 

 

Die am Computer entworfene Skulptur aus Holz, Stahl und lebenden Pflanzen wurde bewusst so gestaltet, dass sie sich im Laufe der Zeit durch die Kräfte der Natur verändern wird. So soll sie Mitarbeitende und Besuchende daran erinnern, dass die Vergangenheit bei jedem Gedanken an die Zukunft eine Rolle spielen muss. Die physische Installation wird durch eine standortspezifische mobile App ergänzt, die dabei hilft, ihre einzigartige Form zu entschlüsseln und einen Eindruck von verschiedenen Daten zu gewinnen: darunter Herkünfte und demografische Details. Zudem werden Personalunterlagen zu 26 Zwangsarbeitenden der I.G. Farben wörtlich zitiert. Der Blick auf die Beispiele lässt ihre Schicksale erahnen und macht die Sicht der Verantwortlichen deutlich.

BAG Memorial
Der Erinnerungsort wurde im Mai 2023 eingeweiht. Unter den Gästen befanden sich Vorstandsmitglieder und Betriebsratsvertreter von Bayer, der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen und Johannes Finkelstein, Enkel von Dr. Hans und Sohn von Berthold Finkelstein. © Marcus Mueller Saran
Heike Hausfeld
Die Erinnerung an das Unrecht, das den rund 16.000 Menschen an den Niederrheinstandorten widerfahren ist, muss unsere moralische Aufmerksamkeit prägen. Sie kann einen ethischen Rahmen für unsere heutigen und künftigen Entscheidungen setzen.“
Heike Hausfeld
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Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Bayer AG, bei der Einweihung am 8. Mai 2023.

Unterstützung des "Pears Jüdischer Campus" in Berlin

 

Um Jüdisches Leben in Deutschland aktiv zu fördern und das Erbe von Dr. Hans Finkelstein in der Erinnerungskultur des Unternehmens zu verankern, sponserte Bayer drei Schülerlabore im Hans-Finkelstein-Flügel am "Pears Jüdischer Campus" Berlin.

Oliver Renner, Head of Communications Bayer Pharmaceuticals, Matthias Berninger, Head of Public Affairs, Science, Sustainability & HSE at Bayer, the former Bayer CEO Werner Baumann and rabbi Yehuda Teichtal, Chairman of the Chabad community and initiator of the project during the opening of the "Pears Jewish Campus" on June 25 in Berlin
Oliver Renner, Leiter Communications Bayer Pharmaceuticals, Matthias Berninger, der ehemalige Bayer Vorstandsvorsitzende Werner Baumann und Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender der Chabad-Gemeinde und Initiator des Projektes während der Eröffnung des „Pears Jüdischer Campus“ 2023 in Berlin. © Max Mordinson

 

Nach vier Jahren Bauzeit wurde im Juni 2023 der Jüdische Campus (PJC) in Berlin eingeweiht. Der 8.000 Quadratmeter große religionsübergreifende Campus basiert auf drei Säulen: Bildung, Kultur und Sport. Zum Bereich Bildung zählen nun auch die wissenschaftlichen Bayer Labore, die Schüler*innen in einem modernen Umfeld den Chemieunterricht ermöglichen sollen.

A memorial board for Dr. Hans Finkelstein
Gedenktafel für Dr. Hans Finkelstein vor einem der wissenschaftlichen Bayer-Labore im Hans-Finkelstein-Flügel. © Max Mordinson

 

Benannt wurde der Gebäudeflügel wie auch die von Bayer gegründete Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gGmbH nach Dr. Hans Finkelstein. 

Offene Türen ins Unternehmensarchiv

 

Die Abteilung Heritage Communications – das historische Archiv von Bayer – steht interessierten Wissenschaftler*innen seit den 1960er Jahren offen. Die ersten Untersuchungen zur Rolle von Industrieunternehmen während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, bei denen auf Dokumente aus dem Bayer Archiv zurückgegriffen wurde, wurden 1972 veröffentlicht. Seitdem sind auf Grundlage von Dokumenten aus dem Bayer Archiv zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten entstanden, die sich mit einer Vielzahl von Aspekten der Unternehmensgeschichte befassen –vor allem mit der Zeit der I.G. Farbenindustrie AG.

 

Unternehmensarchiv von Bayer

 

 

 

 

Hero image “Stolpersteine”: © Chris Rausch