Keine Zukunft ohne Erinnerung
- Auf einen Blick
- Berichterstattung und Transparenz
- ESG Ratings und Rankings
- Umwelt
- Soziale Verantwortung
-
Management & Steuerung
- Sustainability in the Supervisory board
- Nachhaltigkeitsrat von Bayer
- Der Bayer Bioethics Council
- UN Global Compact
- Produktverantwortung
- Lieferantenmanagement
- Konzernregelungen
-
Positionen
- BASE
- Bioethische Prinzipien
- Schutz der Biodiversität
- Position zu Global Product Strategy
- Position zu Responsible Care
- Position zur Abholzung und Schädigung der Wälder
- Position zum Insektenrückgang
- Höhere Maßstäbe für die Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln
- UN Sustainable Development Goals
- Position on Sustainable Beef Production
Als verantwortungsbewusstes Unternehmen möchte Bayer zur Widerstandsfähigkeit gegenüber Antisemitismus und anderen menschenfeindlichen Ideologien beitragen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt – heute und in Zukunft. Deswegen leistet Bayer einen Beitrag zu einer neuen Erinnerungskultur innerhalb des Unternehmens – und darüber hinaus. Mehrere Initiativen fördern heute die Erforschung und Aufarbeitung der Aktivitäten der I.G. Farben während der Zeit des Nationalsozialismus. Indem wir uns bewusst mit unserer Rolle im Laufe der Geschichte auseinandersetzen, erarbeiten wir uns als Teil der globalen Gesellschaft einen ethischen Rahmen. Wir möchten eine Unternehmenskultur stärken, die unseren Werten und Prinzipien entspricht.
1925 schlossen sich sechs deutsche Unternehmen zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG, oder kurz: I.G. Farben, zusammen. Die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Die heutige Bayer AG ging 1952 aus der I.G. Farben hervor.
Erinnerung gestalten. Forschung vorantreiben. Resilienz stärken.
Die Hans und Berthold Finkelstein Stiftung stärkt die Erinnerungskultur im Unternehmen Bayer und unterstützt Forschungs- und Erinnerungsprojekte zu den Verbrechen der Nationalsozialisten – insbesondere zum Thema NS-Zwangsarbeit und der I.G. Farben. Sie entwickelt zudem Programme für eine durch historische Verantwortung geprägte Unternehmens- und Führungskultur, für demokratisches Handeln und treibt dialogorientierte Bildungsprojekte voran, um die Resilienzfähigkeit gegenüber Hass und Totalitarismus zu stärken.
Bayer gründete die unabhängige Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gemeinnützige GmbH 2023.
Die Arbeit der Hans und Berthold Finkelstein Stiftung basiert auf drei miteinander in Verbindung stehenden Säulen:
Forschungslücken zur NS-Geschichte schließen, insbesondere zur I.G. Farben und dem Thema Zwangsarbeit
Geschichten von Verfolgten und Täter*innen sowie die Rolle von Unternehmen sichtbar machen
Engagement gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und (digitale) Gewalt sowie für demokratische Werte einstehen
Die Stiftung setzt sich mit dem Erbe der I.G. Farben auseinander, gestaltet zeitgemäße Erinnerung und macht die Geschichten von Opfern und Tätern, insbesondere zur NS-Zwangsarbeit sichtbar.
Annette Schavan, ehemalige Bundesministerin für Forschung und langjähriges Mitglied des Deutschen Bundestags, wurde zur Vorsitzenden des Beirats ernannt. Seit 2019 ist Schavan zudem Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung EVZ.
Rechtes Bild: Hans Finkelsteins Sohn Berthold Finkelstein leitete bis 1996 das Gustav-Stresemann-Institut. © Gustav-Stresemann-Institut e.V.
Bei der Geschichte der Finkelsteins schauen wir vor allem auf Dr. Hans Finkelstein und seinen Sohn Berthold, die beide Verbindungen zur I.G. Farben hatten und stellvertretend für das Schicksal verfolgter Menschen bei der I.G. Farben während des Nationalsozialismus stehen. Ihre Geschichte trat bei Forschungsaktivitäten im Bayer Archiv zutage. Wir wissen, dass viele weitere Geschichten wie diese bisher im Verborgenen geblieben sind und vielleicht auch bleiben werden. Erzählen können wir sie nur durch umfangreiche und systematische Forschung und die gezielte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Die Recherchen sind noch nicht abgeschlossen und wir unterstützen sie weiterhin. Indem wir Geschichten wie diese erzählen, tragen wir dazu bei, das Gedenken an sie aufrechtzuerhalten. Wir möchten dafür sorgen, dass weder ihr Schicksal noch das anderer Opfer jemals vergessen wird.
Erfahren Sie mehr über das Schicksal der Familie Finkelstein
Gemeinsam ein Zeichen setzen
2025 jährte sich die Befreiung der Konzentrations- und Vernichtungslager in Auschwitz zum 80. Mal. Aus diesem Anlass hatte der World Jewish Congress Bill Anderson sowie weitere Vertreter*innen deutscher Unternehmen zur offiziellen Gedenkfeier in Oświęcim/ Auschwitz in Polen eingeladen.
Die Gedenkzeremonie stand im Zeichen der letzten Überlebenden des Holocaust. Anwesend waren außerdem Repräsentanten jüdischer Gemeinschaften. Neben der formellen Gedenkveranstaltung mit rund 3.500 Gästen im ehemaligen KZ und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, besuchte Bill Anderson mit weiteren Unternehmensvertretern den Ort Monowitz (Auschwitz III) und die heutige Stadt Oświęcim. Während des Besuchs reflektierten die Teilnehmenden über die Geschichte ihrer Unternehmen und bekräftigten ihr Engagement im Kampf gegen Antisemitismus und für die Wahrung der Menschenrechte.
Leadership-Seminar in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Auschwitz: Ethik, historische Verantwortung und Erinnerungskultur im Fokus
In Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Bildung über Auschwitz und den Holocaust (ICEAH) sowie der Gedenkstätte Auschwitz hat Bayer ein bisher einzigartiges Leadership-Seminar für Senior Leaders entwickelt. Seit 2023 bietet das Programm einmal im Jahr die Möglichkeit zu gemeinsamer Reflexion über Ethik im Unternehmenskontext, gesellschaftliche Verantwortung und die Bedeutung einer aktiven Erinnerungskultur.
Aus der Geschichte lernen – Verantwortung verstehen
Ein zentraler Bestandteil des Seminars ist die Auseinandersetzung mit der Unternehmensgeschichte von Bayer und den historischen Verbindungen zur I.G. Farben. Die Ziele: Top-Führungskräften einen vertieften Blick auf Fragen moralischer Verantwortung eröffnen und sie dazu befähigen, Grauzonen in ihren Entscheidungsspielräumen besser zu erkennen und informierte Entscheidungen zu treffen – insbesondere in Zeiten geopolitischer Spannungen und gesellschaftlicher Polarisierung:
- Welche Rolle spielt Erinnerungskultur für ethische Entscheidungen im Geschäftsalltag?
- Wie gelingt verantwortungsvolles Handeln unter Druck?
- Welche Formen von Resilienz benötigen Führungskräfte heute?
Erfahrungen aus bisherigen Seminarjahrgängen zeigen, dass das Programm tief bewegt und nachhaltige Lernimpulse setzt.
Weitere geschichtliche Hintergründe sowie Informationen zur Stiftung und ihren Aktivitäten finden Sie hier.
Erinnerungsort für die Opfer von Zwangsarbeit an den Niederrheinstandorten der I.G. Farben
Um eine von Erinnerung und Reflektion geprägte Unternehmenskultur zu verankern, hat Bayer neben seinem Hauptsitz in Leverkusen einen Erinnerungsort zum Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit bei der I.G. Farben während des Zweiten Weltkriegs errichtet. Er erinnert an rund 16.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus zahlreichen besetzten Ländern Europas, die an den Niederrheinstandorten eingesetzt wurden, um zwischen 1940 und 1945 die Produktion auszubauen. Nach den vorhandenen Unterlagen waren etwa ein Drittel der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter Frauen. Die meisten Menschen waren bei ihrer Ankunft 17-23 Jahre. Die Jüngsten waren noch Kinder.
Der Erinnerungsort wurde von einer interdisziplinären Gruppe von Künstlern und Designern unter der Leitung von Prof. Jussi Ängeslevä von ART+COM Studios entworfen und gebaut. Das Ziel bestand darin, eine physische und künstlerische Interpretation von Originaldaten mit Informationen über die rund 16.000 Menschen aus den Bayer Archiven zu schaffen. Der Erinnerungsort soll mitten im Herzen des Unternehmens in Leverkusen eine individuelle Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ermöglichen.
Die am Computer entworfene Skulptur aus Holz, Stahl und lebenden Pflanzen wurde bewusst so gestaltet, dass sie sich im Laufe der Zeit durch die Kräfte der Natur verändern wird. So soll sie Mitarbeitende und Besuchende daran erinnern, dass die Vergangenheit bei jedem Gedanken an die Zukunft eine Rolle spielen muss. Die physische Installation wird durch eine standortspezifische mobile App ergänzt, die dabei hilft, ihre einzigartige Form zu entschlüsseln und einen Eindruck von verschiedenen Daten zu gewinnen: darunter Herkünfte und demografische Details. Zudem werden Personalunterlagen zu 26 Zwangsarbeitenden der I.G. Farben wörtlich zitiert. Der Blick auf die Beispiele lässt ihre Schicksale erahnen und macht die Sicht der Verantwortlichen deutlich.
Unterstützung des "Pears Jüdischer Campus" in Berlin
Um Jüdisches Leben in Deutschland aktiv zu fördern und das Erbe von Dr. Hans Finkelstein in der Erinnerungskultur des Unternehmens zu verankern, sponserte Bayer drei Schülerlabore im Hans-Finkelstein-Flügel am "Pears Jüdischer Campus" Berlin.
Nach vier Jahren Bauzeit wurde im Juni 2023 der Jüdische Campus (PJC) in Berlin eingeweiht. Der 8.000 Quadratmeter große religionsübergreifende Campus basiert auf drei Säulen: Bildung, Kultur und Sport. Zum Bereich Bildung zählen nun auch die wissenschaftlichen Bayer Labore, die Schüler*innen in einem modernen Umfeld den Chemieunterricht ermöglichen sollen.
Benannt wurde der Gebäudeflügel wie auch die von Bayer gegründete Hans und Berthold Finkelstein Stiftung gGmbH nach Dr. Hans Finkelstein.
Offene Türen ins Unternehmensarchiv
Die Abteilung Heritage Communications – das historische Archiv von Bayer – steht interessierten Wissenschaftler*innen seit den 1960er Jahren offen. Die ersten Untersuchungen zur Rolle von Industrieunternehmen während des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, bei denen auf Dokumente aus dem Bayer Archiv zurückgegriffen wurde, wurden 1972 veröffentlicht. Seitdem sind auf Grundlage von Dokumenten aus dem Bayer Archiv zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten entstanden, die sich mit einer Vielzahl von Aspekten der Unternehmensgeschichte befassen –vor allem mit der Zeit der I.G. Farbenindustrie AG.
Hero image “Stolpersteine”: © Chris Rausch
Bayer zählt zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ), die von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde. Sinn und Zweck der Gründung im Jahr 2000 war in erster Linie, humanitäre Entschädigungszahlungen an ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unter dem nationalsozialistischen Regime zu leisten. Seitdem die Auszahlungsprogramme abgeschlossen sind, liegt die Mission der Stiftung darin, die Erinnerung an das Unrecht der nationalsozialistischen Verfolgung lebendig zu halten und sich für Menschenrechte und Völkerverständigung einzusetzen.
Weitere Informationen: