"So vielen Frauen wie möglich Entscheidungsfreiheit verschaffen!"

Aufgewachsen zwischen zwei Kontinenten und Kulturen, ein Pharmazie-Studium für Public Health und ganz viel Passion, Mädchen und Frauen Wahlmöglichkeiten und Freiheiten zu schaffen: Naomi setzt sich bei Bayer für nachhaltige Familienplanung in West- und Zentralafrika ein. Hier gibt sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag in der Elfenbeinküste.

Naomi, was sind die Herausforderungen, wenn es um Familienplanung in West- & Zentralafrika geht?

Jugendschwangerschaft sind hier ein Problem. Laut UNICEF hat im Jahr 2019 ein Drittel der Mädchen vor ihrem 19. Lebensjahr ein Kind bekommen und 6 % vor dem 15. Lebensjahr – das ist die höchste Rate weltweit! Gründe dafür sind der Mangel an verlässlichen Informationen über Verhütungsmittel sowie ungeschultes Gesundheitspersonal, soziale Normen, die Verhütungsmittel nicht befürworten, unzureichende Infrastrukturen sowie die periodische Nichtverfügbarkeit von Produkten. Leider hat die Corona-Krise diese Barrieren in vielerlei Hinsicht verstärkt, mit geschätzten 1,4 Millionen zusätzlichen ungewollten Schwangerschaften in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMIC) im Jahr 2020 (Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, UNFPA). Trotzdem bleibe ich optimistisch, denn in 13 Ländern in West- und Zentralafrika hat sich die Zahl der Nutzerinnen moderner Verhütungsmittel seit 2012 verdoppelt! Ich bin begeistert zu wissen, dass noch nie zuvor so viele Mädchen und Frauen in LMIC Zugang zu Familienplanung hatten!

 

Das klingt motiviert! Würdest du etwas über deinen persönlichen Werdegang und deine Arbeit bei Bayer erzählen?

 

Na klar. Ich bin zwischen zwei Kontinenten und Kulturen aufgewachsen, mit einer ivorisch-kongolesischen Mutter und einem französisch-belgisch-deutschen Vater. Nach einem Pharmaziestudium in Ostfrankreich habe ich in Paris einen Master of Public Health mit dem Schwerpunkt Management von Gesundheitssystemen in südlichen Ländern absolviert. 

Danach suchte ich nach Möglichkeiten, vor Ort viel zu bewirken, und unterstützte eine NGO, die sich für einen besseren Zugang zu Impfungen in Afrika einsetzt, bevor ich vor einem guten Jahr zu Bayer kam. Hier bin ich verantwortlich für die Koordination der strategischen Abstimmung zwischen der Bayer-Agenda für nachhaltige Familienplanung (siehe dazu hier) und den Gesundheitsbedürfnissen der lokalen Regierungen und Menschen in der Region West- und Zentralafrika.

Mein Credo: Ich möchte so vielen Frauen wie möglich Entscheidungsfreiheit verschaffen, damit sie ihr Leben selbstbestimmt führen können. Ich glaube nicht, dass ich den Menschen "helfe" und möchte vermeiden, in die Falle des „Retterkomplexes“ zu tappen. Mein Beitrag ist nur, dass ich einige Frauen anleiten kann, indem ich alle Verhütungs-Optionen aufzeige. Als Unternehmen wollen wir "Science for a better Life" für Menschen auf der ganzen Welt zugänglich machen. Ich stehe voll hinter unserem Purpose, wobei wir immer im Hinterkopf behalten müssen, dass es, ohne in kulturellen Relativismus zu verfallen, jedes Individuum selbst entscheidet, was ein „besseres Leben“ für sie oder ihn ist. 

 

Welche Auswirkungen haben Verhütungsmittel denn auf das Leben und die Rolle der Frau?

 

Nicht die Möglichkeit zu haben, Geburten zu planen, kann einen erheblichen Einfluss auf den Lebensweg von Müttern haben – so wie es auch bei meiner eigenen Mutter der Fall war: Sie wuchs in der Elfenbeinküste auf und musste mit 16 Jahren die Schule abbrechen, nachdem sie schwanger wurde. In meinem Alter hatte sie bereits fünf Kinder – nicht alle davon geplant. Dies zeigt: Jede Frau und jedes Mädchen, egal wo auf der Welt sie lebt, sollte zum einen die Möglichkeit haben zu erfahren, dass es lebensverändernde moderne Verhütungsmittel gibt und zum anderen die Möglichkeit haben, darauf zuzugreifen.

 

Im Kontakt mit Frauen vor Ort habe ich von Situationen erfahren, bei denen Verhütung sogar über Leben und Tod entscheiden kann, z.B. durch die Vermeidung von nicht-medizinischen Abtreibungen. Neben gesundheitlichen Aspekten sind die Auswirkungen der Familienplanung auf Bildung und Wirtschaft immens und gut belegt: Mädchen können die Schule abschließen und Frauen weiter ihrer Arbeit nachgehen, ihre Geburten zeitlich planen und im besten Fall wiederum ihren Kindern Bildung ermöglichen. 

 

Moderne Familienplanung kann also ein Weg in ein selbstbestimmteres Leben sein. Was bedeutet Nachhaltigkeit allgemein für dich?

 

Mein Vorbild bzw. meinen Mentorin Mildred Nadah Pita hat mein Verständnis von Nachhaltigkeit geprägt. Dank ihr frage ich mich bei jeder neuen Maßnahme, was der beste Weg ist, damit diese langfristig eine positive Wirkung hat, auch wenn wir nicht mehr da sind, um ihre Auswirkungen zu überwachen. Dafür arbeiten wir mit den Frauen vor Ort gemeinschaftlich zusammen.

Danke, Naomi!

 

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#Knowyouroptions

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Willis Omondi Ogutu hat Naomi im vergangenen Jahr eine digitale Aufklärungskampagne koordiniert. Das Hauptziel lag darin, jungen Menschen in Nigeria das Thema Verhütung näher zu bringen. Mit 7.444.323 Impressionen und 131.330 Interaktionen in sozialen Netzwerken konnten zahlreiche Interessierte erreicht werden!