Tropenkrankheiten

Flussblindheit (Onchozerkose)

Onchozerkose ist eine Infektion, die durch einen parasitären Wurm verursacht wird, der durch den Stich einer infizierten Kriebelmücke übertragen wird und hauptsächlich in ländlichen landwirtschaftlichen Gebieten in Afrika südlich der Sahara vorkommt. Die Krankheit wird Flussblindheit genannt, weil die Fliege, die die Infektion überträgt, in schnell fließenden Bächen brütet und die Infektion zur Erblindung führen kann.

Wie gefährlich ist Onchozerkose?

Weltweit ist Onchozerkose nach dem Trachom die zweithäufigste infektiöse Ursache für Erblindung und kann zu schwächenden und entstellenden Hauterkrankungen führen.

 

Wer ist gefährdet?

Am meisten gefährdet sind Menschen, die in der Nähe von Flüssen leben, in denen sich Simulium-Kriebelmücken aufhalten, die vor allem in ländlichen landwirtschaftlichen Gebieten in Afrika südlich der Sahara vorkommen. In der Regel sind viele Stiche erforderlich, bevor es zu einer Infektion kommt.

 

Menschen, die für einen Zeitraum von weniger als drei Monaten in Gebiete reisen, in denen der Parasit vorkommt, haben ein geringes Risiko, sich mit Onchocerca volvulus zu infizieren.

 

Wie viele Menschen sind von Onchozerkose betroffen?

Der Expertenausschuss für Onchozerkose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mindestens 25 Millionen Menschen infiziert sind und 123 Millionen Menschen in Gebieten leben, in denen sie einem Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Etwa 300.000 Menschen sind aufgrund des Parasiten blind und weitere 800.000 haben eine Sehbehinderung.

Unsere Vision ist die Verbesserung der Lebensqualität und der Gesundheit von Menschen, die an vernachlässigten Krankheiten leiden.
Dr. Bernard Pécoul
,
Exekutivdirektor der Drugs for Neglected Diseases Initiative (DNDi), Schweiz

Wo kommt die Onchozerkose vor?

Onchozerkose-Infektionen treten hauptsächlich in tropischen Gebieten auf. Mehr als 99 % der infizierten Menschen leben in 31 Ländern in Afrika südlich der Sahara: Angola, Benin, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Côte d'Ivoire, Demokratische Republik Kongo, Äquatorialguinea, Äthiopien, Gabun, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kenia, Liberia, Malawi, Mali, Mosambik, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sierra Leone, Südsudan, Sudan, Togo, Uganda, Vereinigte Republik Tansania. Die Krankheit wird auch im Jemen im Nahen Osten, in einem Schwerpunktgebiet in Venezuela und einem in Brasilien übertragen.

 

Wie bekommen die Menschen Onchozerkose?

Onchozerkose wird durch wiederholte Stiche von infizierten Kriebelmücken der Gattung Simulium auf den Menschen übertragen.

Beitrag von Bayer

Bayer hat 2014 eine Kooperationsvereinbarung mit der Initiative „Arzneimittel für vernachlässigte Krankheiten“ (Drugs for Neglected Diseases, DNDi) unterzeichnet, um gemeinsam eine neue Behandlungsmöglichkeit für Flussblindheit zu entwickeln. DNDi ist eine gemeinschaftliche, auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete, gemeinnützige Organisation für Arzneimittelforschung und -entwicklung (FuE), die neue Therapien für vernachlässigte Krankheiten entwickelt. Die derzeit verfügbaren Medikamente gegen die Flussblindheit wirken nur gegen die Mikrofilarien der Parasiten, d. h. die Larven und Jungwürmer. Die erwachsenen Würmer überleben jedoch bis zum Ende ihrer natürlichen Lebensspanne und produzieren immer wieder neue Generationen von Nachkommen. Daher müssen die Medikamente bis zu 15 Jahre lang als MDA verabreicht werden. Der Wirkstoff, der im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht, ist ein Makrofilarizid, das auch die ausgewachsenen Nematoden abtötet. Dadurch könnte die Dauer der Behandlung erheblich verkürzt werden, was einen bedeutenden Fortschritt im langfristigen Kampf gegen die Flussblindheit bedeuten würde