Artenvielfalt schützen – warum die Landwirtschaft Teil der Lösung ist

Als Biodiversität bezeichnen die Vereinten Nationen die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme auf dem Land, im Süßwasser, in den Ozeanen sowie in der Luft. Fast überall auf der Erde geht sie zurück. Der Verlust betrifft zu großen Teilen die Vielfalt an Arten: Von knapp 97.000 Tier-und Pflanzenarten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN waren im Jahr 2018 27.000 vom Aussterben bedroht.

 

Die biologische Vielfalt nimmt dramatisch ab, die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Der Landwirtschaft wird oft die Hauptschuld beim Verlust von Biodiversität gegeben – dabei ist sie Teil der Lösung für ein Problem, das uns alle angeht.

 

Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf das Corona-Virus richtete, zogen die Proteste teilweise von der Straße in die sozialen Netzwerke: Weltweit setzen sich viele Menschen – und unter ihnen vor allem die jüngere Generation – für den Schutz der Umwelt ein. Das Bewusstsein und die Sorge angesichts der Klimawandelfolgen und des Verlustes von Artenvielfalt sind groß – und das zurecht. Wissenschaftler weltweit schlagen in Studien Alarm, denn Biodiversität und damit auch Artenvielfalt sind unsere Lebensgrundlage – auf ihnen beruhen unsere Versorgung mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und sauberer Luft. Unterschiedliche Arten schaffen gesunde Böden, indem sie tierische und pflanzliche Abfallstoffe abbauen. Sie bekämpfen Schädlinge, sorgen in vielen Bereichen für die notwendige Bestäubung der Pflanzen und verbreiten Pflanzensamen.

 

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Viele Landwirte legen Blühstreifen am Rand ihrer Felder an. Dort wachsen unterschiedliche Pflanzenarten, die Insekten und Vögeln ausreichend Schutz und Nahrung bieten.

Vielfältige Ursachen für Rückgang

Ist die Landwirtschaft an all dem schuld? „Die Ursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt sind äußerst vielfältig, angefangen beim Klimawandel, über die Verbreitung gebietsfremder Arten, die Lebensräume und Ökosysteme gefährden, bis hin zur immer intensiveren Landnutzung und der Abholzung von Wäldern. In Ländern wie Deutschland gibt es zum Beispiel kaum noch Flächen, die nicht entweder landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder urban genutzt werden“, erklärt Klaus Kunz, Leiter Nachhaltigkeit und Business Stewardship der Division Crop Science bei Bayer. Außer Frage steht zwar, dass eine intensive landwirtschaftliche Nutzung Teil des Problems ist – aber genauso ist sie Teil der Lösung, denn Landwirte sind die Manager des Landes und haben Einfluss auf ca. 50 Prozent der Flächen in Deutschland. Bayer hat hier als führender Hersteller von Pflanzenschutz und Saatgut eine große Verantwortung.

 

„Mehr Platz für Biodiversität schaffen“

„Es geht darum, höhere Erträge für eine wachsende Weltbevölkerung zu erzielen und gleichzeitig den Einsatz von Ressourcen zurückzufahren, um mehr Platz für Biodiversität zu schaffen. Das bedeutet ganz klar auch weniger Chemie auf dem Feld – etwa in Form von weniger Pflanzenschutz und Stickstoff“, nennt Kunz einen wesentlichen Beitrag.

Klaus Kunz
Wir bei Bayer haben uns deswegen verpflichtet, die Umweltbelastung durch Pflanzenschutzmittel in den nächsten 10 Jahren um 30 Prozent zu reduzieren. Dies wird durch digitale Präzisionsapplikation, neue chemische und biologische Wirkstoffe mit verbessertem Nebenwirkungsprofil, robustere Sorten und andere innovative Technologien gelingen.
Klaus Kunz
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Head of Sustainability and Business Stewardship, Crop Science

Der Fortschritt bei den Aufwandmengen von Pflanzenschutz ist heute schon messbar: So ist die Menge pro Hektar Land in den vergangenen 60 Jahren um etwa 90 Prozent gesunken. Der nächste Quantensprung steht laut Kunz mit der digitalen Landwirtschaft bevor, die einen noch präziseren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ermöglichen wird.

 

Wimmelbild
Nicht nur Landwirte setzen sich auf ihren Feldern für die Artenvielfalt ein: Jeder Einzelne kann schon vor der eigenen Haustür oder auf dem Balkon für mehr Biodiversität sorgen. 
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Landwirte beim Naturschutz unterstützen

Für Julia Köbele ist der Schutz von Biodiversität nicht nur ein wichtiges Zukunftsthema, sondern heute schon gelebte Praxis. Sogar hauptberuflich. Sie arbeitet bei Bayer im Bereich Nachhaltigkeit und hilft Landwirten, Biodiversität auf deren Feldern zu fördern und mehr Raum für die Natur zu lassen. „Wenn wir es schaffen, die Landwirte zu unterstützen, auf weniger produktiven Flächen oder Flächen, die schlecht geschnitten, zu nass oder zu schlecht befahrbar sind, Naturschutzmaßnahmen anzulegen, dann haben wir einen sehr großen Einfluss auf den Erhalt der Biodiversität. Denn schließlich geht es hier um viel Fläche.“

 

Julia Köbele arbeitet bei Bayer im Bereich Nachhaltigkeit. Zusammen mit Landwirten plant sie Maßnahmen und entwickelt Technologien, die Artenvielfalt auf dem Acker und darüber hinaus erhöhen.

Ausschlaggebend für den Schutz von Pflanzen- und Tierarten ist die Erhaltung ihrer Lebensräume. Das sorgt dafür, dass innerhalb der Landschaft ein Netzwerk an Zufluchtsorten für unterschiedlichste Tiere und Pflanzen erhalten bleibt. Viele Landwirte legen inzwischen vermehrt Blüh- oder Brachestreifen um ihre Felder herum an.

 

Bayer unterstützt die Landwirte dabei, wie Köbele erklärt: „Wir helfen zum Beispiel, die Flächen auszuwählen, auf denen Blühstreifen und Nisthilfen die größte Wirkung für Vögel und Insekten haben. Und wir stellen die geeigneten Pflanzenschutzmittel zur Verfügung und zeigen, mit welcher Dosierung ein optimales Ergebnis für den Anbau und die Natur gelingt. Ein Landwirt arbeitet mit und in der Natur, er möchte immer beides: dass Ökonomie und Ökologie in Einklang sind.“

 

„Damit Betriebe weitergegeben werden können, müssen wir heute nachhaltig handeln“

Wie Julia Köbele setzt sich auch Sophia Meyer für den Schutz von Artenvielfalt ein. Nicht auf der Straße oder in den sozialen Netzwerken, dafür bleibt ihr kaum Zeit. Als Studentin der Agrarwissenschaften, die in freien Minuten auf dem Hof ihrer Eltern aushilft, leistet sie aber wie viele Landwirtinnen und Landwirte täglich einen direkten Beitrag. Das ist kein Selbstzweck, schließlich ist die gesamte Landwirtschaft auf Biodiversität angewiesen.

 

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Auf dem Hof ihrer Familie macht sich Sophia Meyer für die Förderung von Artenvielfalt in der Landwirtschaft stark.

Die Familie, die einen Hof in Kaarst bewirtschaftet, setzt auf verschiedene Maßnahmen, um die Biodiversität zu schützen und zu fördern. Dazu gehört beispielsweise der wechselnde Anbau von Weizen, Kartoffeln und weiteren Kulturen, um die Böden nicht auszulaugen. Damit Platz für Insekten oder Imker, die dort ihre Honigbienen halten, geboten werden kann, bleiben die an Äcker angrenzenden Wiesen erhalten. Zum Schutz der Biodiversität gehört für Sophia Meyer auch, Pflanzenschutzmittel gezielt und dosiert einzusetzen: „Wir achten sehr darauf, dass wir Pflanzenschutzmittel nur entsprechend der Saison und vor allem des Wetters einsetzen. Es muss windstill und trocken sein, um die Mittel exakt dort zu platzieren, wo sie hingehören“. Dabei helfen auch digitale Werkzeuge.

 

Landwirtinnen wie Sophia Meyer sind maßgeblich daran beteiligt, den Schutz von Biodiversität in der Landwirtschaft zum „New Normal“ werden zu lassen. „Der überfällige Wandel muss eintreten“, sagt sie. Die junge Landwirtin weiß aber: „Damit die Betriebe an die nächsten und übernächsten Generationen weitergegeben werden können, müssen wir heute nachhaltig handeln. Nachhaltiges Denken steckt Landwirten also gewissermaßen in der DNA.“

 

Und im Schulterschluss mit ihnen können Unternehmen wie Bayer dazu beitragen, eine der großen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen, so Klaus Kunz. „Wir brauchen – jenseits der traditionellen Muster – mehr gesellschaftliche Diskussion über Landwirtschaft, über ihren Beitrag zur Welternährung genauso wie über ihren Beitrag zur Artenvielfalt.“