Der Herbst-Heerwurm: Der Kampf gegen eine Plage, die durch den Klimawandel verschlimmert wird

Der Herbst-Heerwurm hat sich in mehr als 100 Ländern weltweit verbreitet und stellt Landwirte insbesondere in Entwicklungsländern vor nie dagewesene Herausforderungen. Die Widerstandsfähigkeit des Schädlings führt zur Zerstörung von zahlreichen Hektar Mais und bedroht die Lebensgrundlage und Ernährungssicherheit von Millionen Menschen. 

Letztes Jahr kämpften Bauern in Ostafrika, Südwestasien und in Gebieten des Nahen Ostens gegen die schlimmste Heuschreckenplage seit Jahrzehnten. Und als ob das noch nicht genug wäre, dringt ein zweiter – und ebenso verheerender –Schädling weiter in die östliche Hemisphäre ein: der Herbst-Heerwurm. Der in den tropischen und subtropischen Regionen Amerikas beheimatete Herbst-Heerwurm wurde erstmals im Jahr 2016 Afrika südlich der Sahara gesichtet, wo er sich in der Folge rasch ausbreitete. Ab 2018 begann er sich wie ein Lauffeuer auf dem indischen Subkontinent, in China und in Südostasien zu verbreiten. Im Januar 2020 wurde er in Australien, Far North Queensland, entdeckt, bewegte sich nach Norden und Westen und galt innerhalb von nur drei Monaten in ganz Australien als ortsansässig. Im Mai 2020 erreichte der Heerwurm Mauretanien, Timor-Leste und die Vereinigten Arabischen Emirate. Im ersten Halbjahr 2021 wurde er in Neukaledonien und auf den Kanarischen Inseln Spaniens in Europa bestätigt. Bis heute hat sich der Heerwurm in über 70 Ländern ausgebreitet. Und die Aussichten sind düster, da der Herbst-Heerwurm ernste Konsequenzen mit sich bringt und sich nicht mehr vertreiben lässt.

 

Ertragsverlust von mehr als 50 % - Lebensgrundlage von Landwirten gefährdet

Das Insekt gehört zu den grenzüberschreitenden Schädlingen, die am meisten Schaden anrichten. Die gefräßigen Eindringlinge ernähren sich in großer Zahl von den Blättern und Stängeln von mehr als 350 Pflanzenarten, darunter Nutzpflanzen wie Mais, Baumwolle, Reis und Hirse, wobei Mais die bevorzugte Pflanze ist. Mais ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel für mehr als 1,2 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika und Lateinamerika, und die wichtigste Getreidepflanze in Subsahara-Afrika – er liefert über 30 % der Kalorien für die dortige Bevölkerung. Mehr als 300 Millionen Afrikaner sind auf Mais als Hauptnahrungspflanze angewiesen.

 

Der Hunger des Herbst-Heerwurms nach Mais führt nicht nur zu erheblichen Verlusten für die Landwirte, sondern stellt auch eine ernsthafte Bedrohung für die Ernährungssicherheit dar. Die Schädlinge können Nutzpflanzen derart beschädigen, dass Erträge um mehr als 50 % sinken – mit erheblichen Konsequenzen für die Lebensgrundlagevon Landwirten. Diese Verluste treffen Kleinbauern, die Mais anbauen, unmittelbar. Die Mehrheit bewirtschaftet im Durchschnitt weniger als 1 Hektar– also weniger als ein Fußballfeld – und ist auf die Ernte angewiesen, um nicht Hunger zu leiden und Armut abzuwenden . Ausgehend von Prognosen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO) für 2018 gehen allein durch den Heerwurm jährlich bis zu 17,7 Millionen Tonnen Mais verloren – eine Menge, mit der viele Millionen Menschen ernährt werden könnten und die einen durchschnittlichen wirtschaftlichen Verlust von 4,6 Milliarden US Dollar verursacht. Darüber hinaus deuten neuen Untersuchungen der Chinesischen Akademie für Landwirtschaft (CAAS) darauf hin, dass die Invasion des Herbst-Heerwurms die Armut und Verwundbarkeit von Kleinbauern in China und Afrika erhöht hat, CABI schätzt die Kosten auf jährlich 9,4 Milliarden US-Dollar.

 

Die Bedrohung durch den invasiven Herbst-Heerwurm ist enorm, und er kann sich potenziell auf andere wirtschaftlich wichtige Kulturpflanzen ausbreiten. Im Dezember 2019 startete die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen eine auf drei Jahre angelegte Initiative zur globalen Bekämpfung des Herbst-Heerwurms, mit der die durch den Schädling verursachten Ertragsverluste reduziert und das Risiko einer weiteren Ausbreitung verringert werden soll. Hierfür werden nationale Kapazitäten gestärkt um den Herbst-Heerwurms auf globaler Ebene nachhaltig zu bekämpfen. Leider gibt es kein Allheilmittel. Als Folgemaßnahmen hat die FAO mehrere Aktivitäten gefördert, darunter ein „Leitfaden für Prävention, Vorsorge und Reaktion“, Feldschulen für Landwirte (FFS), an denen  über 15.000 Menschen in mehr als 30 Ländern teilgenommen haben, und ein Demonstrationspaket für integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) in acht Ländern: Burkina Faso, Kamerun, China, Ägypten, Indien, Kenia, Malawi und die Philippinen. Trotz mehrfacher Versuche ist es nie gelungen, den Herbst-Heerwurm auch nur in einem Land, in das er eingedrungen ist, erfolgreich zu vertreiben.

 

 

Klimawandel und steigende Temperaturen verschärfen die Herausforderung

Experten weisen auf Globalisierung, Handel, Transportwege und Klimawandel als Faktoren für die Ausbreitung invasiver Insektenschädlinge hin. Im Fall des Herbst-Heerwurms vermehren sich erwachsene Falter schnell und in großer Zahl und können bei starken Winden oder großen Sturmfronten Tausende von Kilometern zurücklegen – der jüngste Befall mit dem Herbst-Heerwurm im Mittleren Westen der USA kam mit den Hurrikanwinden auf und beschädigte alles Grüne auf seinem WegTatsächlich zog einem mit synoptischen Wetterkarten erfassten Bericht zufolge ein Schwarm innerhalb von 30 Stunden durch einen Low-Level-Jetstream von Mississippi nach Kanada (etwa 1600 km) – obwohl solche Bewegungen sehr ungewöhnlich sind. Ausgewachsene Falter können etwa 100 km pro Nacht zurücklegen, und weibliche Falter können mehr als etwa 480 km weit fliegen, bevor sie landen und ihre Eier legen – zwischen 1.000 und 2.000 Eier in ihrem Leben – in Gelegen von jeweils 150-200 Eiern. In warmen Klimazonen sind bis zu zehn Generationen pro Jahr möglich.

 

Im Falle von Mais legt ein Falterweibchen seine Eier auf den Blättern der Pflanze ab, und nur wenige Tage später beginnen die Larven nach dem Schlüpfen zu fressen. Die Larven des Herbst-Heerwurms können Mais in allen Wachstumsstadien befallen, befinden sich aber meist an der Unterseite der Blätter, auch bei jungen Setzlingen. Kleine Löcher, die als Fenster bekannt sind, bleiben als Folge des Bisses zurück. Wenn die Raupen kurz vor der Reife sind, können sie eine ganze Ernte in wenigen Tagen dezimieren. Da die Entwicklungsraten von Insekten und die Anzahl der Schädlingsgenerationen durch steigende Temperaturen begünstigt werden, können in Klimazonen wie Afrika und Südostasien mehrere Generationen auf einmal Schäden anrichten. Für die Landwirtschaft bedeutet dies eine Chance, eine widerstandsfähigere Landwirtschaft aufzubauen. Eine, die sich der zweiten Herausforderung der COP26 stellen kann: „Anpassung zum  Schutz von Gemeinschaften und natürlichen Lebensräumen“.

 

Mehr Maßnahmen zur Bekämpfung des Herbst-Heerwurms erforderlich

Was kann also getan werden? Es gibt wirksame Mittel, mit denen Landwirte in Nord- und Südamerika die Plage, die dort seit Jahrhunderten wütet, eindämmen können – aber Früherkennung, allgemeines Wissen und der Zugang zu Technologien stellen insbesondere für Kleinbauern eine große Hürde dar. Hinzu kommt, dass einige der wirksameren Kontrollstrategien resistenzanfällig geworden sind, zum Beispiel sind in Puerto Rico oder Brasilien Bt-Resistenzmutationen nachgewiesen worden. Es ist ein natürliches Phänomen, dass Insektenpopulationen Resistenzen entwickeln, wenn es den Bekämpfungsstrategien an Vielfalt fehlt. Experten sind sich weitgehend einig, dass unter Berücksichtigung des Standorts verschiedene Strategien zur Schädlingsbekämpfung mit verschiedenen Methoden und Ansätzen erforderlich sind.

 

Die Aufklärung der Landwirte und gemeinschaftliche Maßnahmen sind entscheidend in der Strategie zur nachhaltigen Kontrolle des Herbst-Heerwurms. Zu den wichtigsten Praktiken zur Eindämmung verschiedene agrarwissenschaftliche Verfahren wie die Push-Pull-Methode, die Entwicklung von resistenten Pflanzensorten – auch durch Biotechnologie – wirksame Pflanzenschutzmittel, Pheromonfallen und die Erhaltung und Vermehrung natürlicher Feinde zur biologischen Kontrolle. Digitale Lösungen wie mobile Apps, die Echtzeit-Daten über den Befallsgrad erfassen und austauschen oder maschinelles Lernen stellen vielversprechende Ansätze für die nachhaltige Bekämpfung des Schädlings dar. Dazu zählt auch die Verwendung von Algorithmen zusammen mit Sensoren, mit denen der Herbst-Heerwurms in Pheromonfallen im Feld automatisiert identifiziert und erfasst werden könnte. Der Zugang zu diesen neuen Technologien und die Weiterbildung zu ihrem Einsatz sind notwendig, um den Herbst-Heerwurm zu bekämpfen und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen. Letztendlich werden alle innovativen Methoden benötigt, um den Herbst-Heerwurm zu bekämpfen. Im April 2021 begrüßte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) die Fortschritte im Kampf gegen den Schädling,  betonte aber gleichzeitig die Notwendigkeit, das Bewusstsein für die Problematik weiter zu schärfen und das Engagement zu verstärken, und kam zu dem Schluss: „Es liegt noch viel Arbeit vor uns.“

Ernährungssicherheit erfordert globale Maßnahmen

Landwirte müssen ihre Ernte vor gefährlich invasiven Plagen wie der des Herbst-Heerwurms schützen. Es ist mehr denn je erforderlich, dass sich die Partner auf globaler und lokaler Ebene gemeinsam dazu verpflichten, zusammenzuarbeiten, um die Nahrungsmittelversorgung nicht nur der bereits betroffenen Menschen, sondern global zu schützen.

 

Wir bei Bayer wissen, dass dieses gemeinsame Engagement von entscheidender Bedeutung ist. Wir arbeiten mit Landwirten in Entwicklungsregionen zusammen und setzen uns dafür ein, 100 Millionen Kleinbauern bis 2030 zu stärken, indem wir den Zugang zu landwirtschaftlichem Know-How, Produkten, Dienstleistungen und Partnerschaften verbessern. Wir investieren in innovative und nachhaltige Lösungen, um allen Landwirten – mit großen und kleinen Betrieben – den Zugang zu modernster Technologie und Weiterbildung für eine gesunde Ernte zu ermöglichen. Die Unterstützung der Landwirte trägt dazu bei, ihren Lebensunterhalt und das Ernährungssystem, von dem wir alle abhängig sind, zu schützen.