Persönliche Berichte ukrainischer Bayer-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

„Ich bin unglaublich stolz auf mein fantastisches Team”

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Inmitten von Chaos und Krieg zeigen Bayer-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Ukraine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und großen Einsatz. Hier geben sie aus erster Hand Einblicke, wie sie die vergangenen Wochen erlebt haben, während sie alles daransetzen, die Versorgung der Menschen mit Lebens- und Arzneimitteln in ihrem Land am Laufen zu halten. 

Für Liudmyla Yefremova und für Millionen weiterer Ukrainerinnen und Ukrainer ist seit dem 24. Februar 2022 alles anders. „Wie viele andere Kolleginnen und Kollegen, musste ich mein Zuhause verlassen. Zunächst gingen wir in den Westen der Ukraine, dann über die Grenze nach Prag, und jetzt bin ich in Berlin“, erzählt sie. Liudmyla Yefremova leitet für die Divisionen Pharmaceuticals und Consumer Health in der Ukraine das Supply Chain & Order-to-Cash Team. Ihre Kolleginnen und Kollegen sind jetzt irgendwo in der Ukraine und den Nachbarländern verstreut, einige befinden sich nach wie vor in Kiew und anderen Regionen nahe der Kriegsgebiete. Manche mussten zu den Waffen greifen und ihr Land verteidigen. Andere arbeiten unter sehr schwierigen Bedingungen in Schutzunterkünften weiter. „Aber wir versuchen dennoch zu jeder Zeit, unser Bestes zu geben, hart zu arbeiten und schnelle Entscheidungen zu treffen, damit die Menschen in der Ukraine mit notwendigen Medikamenten versorgt werden, sich um ihre Familien und Freunde kümmern und unsere Soldaten und Menschen in Not unterstützen können“, betont Liudmyla Yefremova. „Ich bin unglaublich stolz auf mein fantastisches Team.”
 

Insgesamt sind laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) bereits mehr als 4.6 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aus dem Land geflohen, darunter auch Bayer-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Liudmyla Yefremova, die beschlossen, aus den Nachbarländern heraus weiter ihrer Arbeit nachzugehen. Andere arbeiten freiwillig vor Ort weiter und halten wichtige Abläufe in Bereichen wie Gesundheit und Ernährung in ihrem Land am Laufen. 
 

Als die russische Invasion begann, brach auf dem Pharmamarkt Chaos aus, erinnert sich Liudmyla Yefremova. Die meisten Apotheken schlossen und die, die noch offen waren, waren fast leer. In nur wenigen Tagen organisierte das Team eine wichtige Spende der notwendigsten Arzneimittel an das Ukrainische Gesundheitsministerium, um bis zu 27.000 ukrainische Patientinnen und Patienten weiter versorgen zu können. „Wir wurden mit Anfragen für Arzneimittel von Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenhäusern überschüttet und wollten so viele Anfragen wie möglich so schnell wie möglich bedienen. Wir konzentrierten uns zunächst auf Notfalllieferungen direkt an Apotheken, was wir vorher noch nie gemacht hatten“, erklärt Liudmyla Yefremova.

Die Versorgung mit dringenden Produkten unter extremen Bedingungen sichern

Das Bayer-Lager, das sich 30 Kilometer von Kiew entfernt befindet, ist der einzige Umschlagplatz für die Produkte von Pharma und Consumer Health für den gesamten ukrainischen Markt. Die Produkte werden in Kriegszeiten natürlich besonders dringend benötigt. Während das Lager so nah bei Kiew noch im Notbetrieb und mit begrenzten Kapazitäten arbeitet, haben Liudmyla Yefremova und ihr Team damit begonnen, Lagerbestände bei ihren größten nationalen Händlern in anderen, idealerweise sichereren Regionen unterzubringen, um die Logistik in die Apotheken aufrechtzuerhalten. „Wir müssen ständig auf unvorhergesehene Situationen vorbereitet sein. Viele Kolleginnen und Kollegen mussten andere vertreten und auf einmal völlig neue Aufgaben übernehmen.“
 

Für Bayer haben Schutz und Sicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ukraine Priorität und sind deutlich wichtiger als die Fortführung des Geschäfts. Viele Teams wie das von Liudmyla Yefremova arbeiten aber freiwillig unter großem Stress und außergewöhnlichen Umständen weiter. Auch Volodymyr Onishchenko, Leiter des Bayer-Werks für Maissaatgut in der Ukraine, berichtet, dass sein Standort in der Nähe von Kiew so weit wie möglich in Betrieb bleibt. „Hauptsächlich finden Lageraktivitäten statt, aber auch einige Reparaturen und Vorbereitungen. Die meisten in unserem Team haben sich entschlossen, in sicherere Gebiete zu gehen und arbeiten von dort aus, aber einige wollten auch zu Hause bleiben. Sie wohnen alle in der Nähe des Werks“, erklärt Volodymyr Onishchenko. 

Die Maisproduktion in der Ukraine ist für die weltweite Versorgung wichtig. Das Land ist einer der wichtigsten weltweiten Lieferanten für Getreide- und Saatprodukte: Weizen und Mais und andere wichtige Waren wie Sonnenblumen- und Rapsöl. Als Kornkammer Europas stellt die Ukraine auch die Lebensmittelversorgung in Teilen des Nahen Ostens und Ostafrikas sicher. Auf das Land entfallen 16 Prozent der weltweiten Mais- und 12 Prozent der weltweiten Weizenexporte. Aufgrund der aktuellen Situation wird das „gesamte Maissaatgut in diesem Jahr nur für die Ukraine sein“, erklärt Volodymyr Onishchenko. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Ernteausfälle im Land, unter anderem beim Mais, das Nachhaltigkeitsziel der UNO, bis 2030 allen Arten des Hungers und der Mangelernährung weltweit ein Ende zu setzen, beeinträchtigen werden.

Die schwierige Balance zwischen Sicherheit und Pflichtbewusstsein

Einerseits will das Team dafür sorgen, dass die meisten Saatgutbestellungen rechtzeitig für den Anbau, der in der Ukraine Ende April startet, ausgeliefert werden können. Nicht zu liefern, würde bedeuten, dass die Landwirte nicht aussäen können – für Volodymyr Onishchenko unvorstellbar angesichts der durch den Krieg verschärften Schwierigkeiten bei der Nahrungsmittelversorgung. Seit Beginn des Konflikts konnten die Kolleginnen und Kollegen mehrere tausend Säcke Maissaatgut ausliefern. „Wir ziehen es nicht in Erwägung, dass gar nicht angebaut wird, es wird gesät werden, die Frage ist nur, wie viel unter diesen Bedingungen möglich sein wird. Wir verfolgen die Situation im Land genau und passen unsere Pläne jede Woche entsprechend an“, erklärt er. Andererseits könnten die Umstände kaum schwieriger sein. „Einige unserer Mitarbeiter sind zum Militärdienst einberufen worden, andere verteidigen ihre Regionen auf eigene Faust, und wieder andere befinden sich in Gebieten, in denen jegliche Bewegung zu gefährlich ist. Darüber hinaus wird die Arbeit durch Ausgangssperren und ständigen Luftalarm erschwert. Bei jedem Alarm müssen die Leute aufhören zu arbeiten und das Gebäude verlassen, und das passiert fünf bis zehn Mal am Tag.“

Ukraine SBR
Wir leben in sehr schwierigen Zeiten. Ich bin so unglaublich stolz darauf, mit Menschen zusammenarbeiten zu dürfen, die sich trotz dieser Herausforderungen ehrenamtlich für das Wohl anderer einsetzen. Ich empfinde große Bewunderung für die 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bayer Ukraine, die sich alle weiterhin für die Patientinnen und Patienten und Landwirte einsetzen, die uns brauchen. Eine weitere Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der ich besonders danken möchte, sind unsere Kolleginnen und Kollegen der Enabling Functions. Teams wie Human Resources und Accounting arbeiten Tag und Nacht unermüdlich daran, die Gehaltszahlungen, Zahlungen an Lieferanten und Steuerberichte zu bearbeiten.
Oliver Gierlichs
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Senior Bayer Representative & Chief Financial Officer Ukraine

Dankbarkeit für Unterstützung aus aller Welt

Angesichts dieser extrem schwierigen und völlig unvorhersehbaren Bedingungen ist Volodymyr Onishchenko voller Dankbarkeit für die Unterstützung, die das Unternehmen und die ganze Welt leisten: „Ich möchte bei dieser Gelegenheit allen Menschen, die für uns beten und die Ukraine und Ukrainerinnen und Ukrainer unterstützen, ganz herzlich Danke sagen. Wir spüren Ihre Unterstützung und das macht uns stärker. Bitte machen Sie weiter, dann werden wir gemeinsam siegen!“
 

Liudmyla Yefremova hat am 1. April eine neue Stelle als S&OP Governance Manager in der Abteilung Supply Chain Excellence in Berlin übernommen. Das war lange vor dem Krieg geplant, doch die Umstände ihres Starts waren jetzt ganz anders als sie noch vor einigen Monaten erwartet hätte. „Ich bin jetzt in Sicherheit, aber einige meiner Kolleginnen und Kollegen arbeiten immer noch in der Nähe der Kriegsgebiete, in Bunkern mit Sirenen im Hintergrund“, sagt sie. „Wir sind alle sehr dankbar für die Unterstützung, die wir in diesen Tagen von unseren Kolleginnen und Kollegen in der Region, in den Nachbarländern und in aller Welt erfahren durften. Unser normales, glückliches Leben wurde zunichte gemacht. Aber mit der Hilfe des Unternehmens und gegenseitiger Unterstützung, kommen wir wieder auf die Beine und sorgen für etwas Stabilität in einem sehr instabilen Umfeld. Bitte bleiben Sie weiterhin wie in diesen schweren Tagen an unserer Seite.“

Unterstützung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Menschen in der Ukraine

Die Sicherheit der rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bayer in der Ukraine stellt weiterhin oberste Priorität für das Unternehmen dar. Sie und ihre Familien werden finanziell, mit Unterkünften und mit Hilfe bei der Evakuierung unterstützt. 
 

Als Reaktion auf die humanitäre Krise hat Bayer einen Disaster Relief Fund in Höhe von 3 Millionen Euro eingerichtet und sowohl Geld als auch Arzneimittel wie Antibiotika gespendet, um bis zu 27.000 ukrainischen Patientinnen und Patienten zu helfen. Außerdem haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bayer über eine Spendenkampagne des Roten Kreuzes über 1 Million Euro gespendet, eine Summe, die das Unternehmen verdoppeln wird.


Zusätzlich zu dem Saatgut, das das ukrainische Team an Landwirte liefert, wird Bayer mehr als 40.000 Säcke mit Saatgut für den Anbau auf fast 30.000 Hektar spenden, um Kleinbauern in der Ukraine zu unterstützen, die möglicherweise Schwierigkeiten haben, in diesem Jahr Zugang zu Saatgut zu bekommen.