Einblicke in die Gesundheitspolitik

Gesundes China 2030: Chinas Strategie zur Krebsbekämpfung im Blickpunkt

Krebs ist in China auf dem Vormarsch. Im Jahr 2014 gab es 2,3 Millionen Todesfälle und 3,8 Millionen Neuerkrankungen, was mehr als ein Fünftel der vorzeitigen Todesfälle und mehr als ein Viertel der neuen Krebsfälle weltweit ausmacht1. Da der weltweite Trend einer alternden Gesellschaft auch China betrifft, nehmen nicht übertragbare Krankheiten wie Krebs immer mehr zu und stellen eine Belastung für die Gesundheits- und Finanzsysteme dar. https://healthpolicy.pharma.bayer.com/healthy-china-2030/Von 2001 bis 2016 waren jedoch nur 30 Prozent der innovativen Arzneimittel für chinesische Patienten verfügbar2.

Das Thema Krebs im öffentlichen Raum

Das Schicksal chinesischer Krebspatienten hat es sogar auf die große Leinwand geschafft. „Sterben, um zu überleben“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der billige Leukämiemedikamente aus Indien schmuggelt, um Patienten zu retten, die in China nicht ohne Weiteres Zugang zu der benötigten Behandlung hätten. Innovative Pharmaunternehmen werden in dem Film kritisch dargestellt und ihnen wird vorgeworfen, sie würden offenbar nur aus Profitinteresse handeln.

 

Während in der öffentlichen Debatte im Allgemeinen der begrenzte Zugang zu geeigneten Arzneimitteln kritisiert und die Kostenproblematik angesprochen wird, gibt es auch Stimmen, die den Bedarf an innovativen Arzneimitteln anerkennen. Der Premierminister des chinesischen Staatsrats, Li Keqiang, hat sich für billigere und leichter zugängliche Krebsmedikamente für Patienten ausgesprochen3.

 

Die Regierung hat jedoch auch einen ausgewogenen Ansatz gezeigt und beide Seiten der Diskussion angesprochen. Dies zeigt, dass sie den Gesellschaftsvertrag der Gesundheitspolitik verstehen: Innovationen müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt bewertet werden, bevor billigere Generika verkauft werden. Die im Rahmen von Healthy China 2030 durchgeführten Maßnahmen zielen auf die Verbesserung des Gesundheitssystems, die Ausweitung des landesweiten medizinischen Angebots und die finanzielle Abdeckung ab. Bei dieser Initiative wurde eindeutig versucht, ein Gleichgewicht zwischen der Förderung innovativer und generischer Arzneimittel herzustellen.

 

Gesundes China 2030 prägt die Krebspolitik

Die jüngsten Gesundheitsreformen im Rahmen von Gesundes China 2030 haben bereits begonnen, die aktuelle Krebspolitik zu beeinflussen. Dementsprechend werden präventive Maßnahmen eine zentrale Rolle spielen: Die Regierung setzt sich nun für eine gesunde Lebensweise ein, indem sie Aufklärungskampagnen durchführt und in die Förderung der Früherkennung durch regelmäßige Untersuchungen investiert. Dies wird in Chinas Dreijahres-4 Aktionsplan für Krebsprävention und -behandlung (2015-2017) und im mittelfristigen Plan des Landes zur Prävention und Behandlung chronischer Krankheiten (2017-2025)5 angesprochen.

 

Bei der Krebsvorbeugung und -behandlung gibt es jedoch noch Raum für Verbesserungen. Es mangelt nach wie vor an Diagnosen durch Früherkennungsuntersuchungen und an Behandlungsmöglichkeiten. Wenn gesundheitliche Chancengleichheit eines der Ziele von Gesundes China 2030 ist, ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Land ein Gesundheitssystem aufbaut, das auch innovative Arzneimittel und nicht nur Generika fördert.

Dieser Artikel wurde gemeinsam von Verena Kantel und Qing Lv verfasst. Verena Kantel, Leiterin Pharma Health Policy International bei Bayer, ist auch China-Sprecherin der German Healthcare Partnership (GHP). Sie ist ausgebildete Juristin und war vor ihrer Tätigkeit bei Bayer im Bereich Außenwirtschaftsrecht und -politik für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) tätig. Qing Lv ist Forscherin für Gesundheitspolitik im Bayer Liaison Office, Großraum China. Zuvor arbeitete sie für die Chinesische Akademie der Wissenschaften in Peking an der Entwicklung von Krebsmedikamenten.

Quellen:

 

Chen W, Sun K, Zheng R, et al. Krebsinzidenz und -sterblichkeit in China, 2014. Chin J Cancer Res. 2018;30(1):1-12. Letzter Aufruf Oktober 2018

http://www.21jingji.com/2017/10-10/5MMDEzODFfMTQxODA5Mw.html. Letzter Aufruf Oktober 2018

The Wall Street Journal, Chinesischer Filmhit „Sterben, um zu überleben“ verleiht dem Preisdruck bei Arzneimitteln neue Bedeutung. Letzter Aufruf Oktober 2018

Nationale Gesundheitskommission der Volksrepublik China, Chinas Dreijahresaktionsplan zur Krebsprävention und -behandlung (2015–2017). Letzter Aufruf Oktober 2018

Der Staatsrat: Der Staatsrat der Volksrepublik China, veröffentlicht einen Plan zur Verhütung chronischer Krankheiten. Letzter Aufruf Oktober 2018

Autor

Verena Kantel
Leiterin Pharma Health Policy International bei Bayer