Prostatakrebs: „Die Lebensqualität muss ein zentraler Bestandteil des Behandlungsplans sein“

Als zweithäufigste Krebsart bei Männern betrifft Prostatakrebs viele von uns – entweder direkt oder weil eine uns nahestehende Person diese Diagnose erhält.

 

Die körperliche und emotionale Belastung, die mit der Erkrankung und ihrer Behandlung einhergeht, kann sehr hoch sein. Männer sollten sich aber nicht zwischen einer effizienten Behandlung und Erhaltung der Lebensqualität entscheiden müssen.

 

Dank neu entwickelter Therapien stehen den Betroffenen mehr Möglichkeiten zur Wahl, um den Krebs wirksam zu bekämpfen und zugleich ihr Leben so weiterzuführen, wie es ihnen gefällt. Vielen Männern mit Prostatakrebs und ihren Angehörigen fällt es allerdings oft schwer, den Ärzten im Gespräch zu vermitteln, worauf es ihnen bei der Behandlung ankommt.

 

Robert S. Greene ist Gründer und Präsident der HungerNdThirst Foundation und Vorstandsmitglied der European Cancer Patient Coalition und war selbst an Prostatakrebs erkrankt. Wir haben ihn als Patientenfürsprecher und Betroffenen gebeten, uns zu erklären, warum wir alle mehr über Prostatakrebs reden müssen.

 

Robert S. Greene

Gründer und Präsident der HungerNdThirst Foundation, Vorstandsmitglied der European Cancer Patient Coalition, Patientenfürsprecher von Inspire2Live

Robert S. Greene ist Gründer und Präsident der HungerNdThirst Foundation und Vorstandsmitglied der European Cancer Patient Coalition. Als genesener Darmkrebspatient und nun betroffener Prostatakrebspatient will er auf die Folgen dieser Krebsart für das soziale, emotionale und berufliche Leben der Betroffenen aufmerksam machen. Er setzt sich besonders für die Krebsaufklärung und eine frühe Diagnose in der schwarzen Bevölkerung ein.

Herr Greene, warum ist es Ihnen wichtig, den Prostatakrebspatienten und ihren Angehörigen eine Stimme zu geben?
Bei mir wurde 2018 Prostatakrebs im Frühstadium diagnostiziert, nachdem man fünf Jahre zuvor bereits Darmkrebs bei mir festgestellt hatte. Ich bin im Grunde genommen ein „professioneller“ Krebspatient geworden, auch wenn das ganz sicher nicht mein Wunsch war.

 

Ich bin auch ein Schwarzer. Ich kenne Krebs aus eigener Erfahrung und Studien belegen, dass mehr schwarze Männer an Prostatakrebs sterben als weiße. Das kann an verschiedenen umweltbedingten Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum und falscher Ernährung liegen, aber auch an sozioökonomischen Faktoren wie dem Zugang zum PSA-Test.1 Gerade deshalb ist es mir bei dieser Krankheit so wichtig mitzureden und anderen betroffenen Männern eine Stimme zu geben.

 

Wann sollte man Ihrer Erfahrung nach beginnen, sich über Prostatakrebs und verfügbare Behandlungsmöglichkeiten zu informieren?
Mir ist klar geworden, dass es zu spät ist, wenn man erst bei der Diagnosestellung mit jemandem über die Folgen von Prostatakrebs und die verschiedenen Therapiemöglichkeiten spricht.

 

Da es die zweithäufigste Krebsart bei Männern ist, müssen wir dafür sorgen, dass die Allgemeinheit mehr über Prostatakrebs erfährt. Denn nur wenn sie besser über die Krankheit Bescheid wissen, ist eine Diagnose oft überhaupt erst möglich. Und wenn sie oder ein Angehöriger dann betroffen sind, können sie dem medizinischen Fachpersonal die richtigen Fragen stellen, beispielsweise was sie bei Prostatakrebs erwartet, und in Gesprächen mit dem nötigen Hintergrundwissen darlegen, worauf es ihnen bei der Behandlung ankommt.

Wir denken allzu oft, dass die Menschen einfach nur behandelt werden wollen. In Wirklichkeit aber kommt es ihnen darauf an, einen bestimmten Aspekt ihrer Lebensqualität beizubehalten.
Robert S. Greene
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Gründer und Präsident der HungerNdThirst Foundation, Vorstandsmitglied der European Cancer Patient Coalition

Es gibt viele verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Prostatakrebs. Wie kann das medizinische Personal die Männer in den Behandlungsgesprächen besser unterstützen?
Die Vorstellung, Männer mit Prostatakrebs wüssten bereits über die Behandlungsmethoden Bescheid und wären in der Lage, die richtigen Fragen zu stellen, worauf es ihnen bei der Behandlung ankommt, ist falsch.

 

Ich finde, das medizinische Fachpersonal muss anders an diese Gespräche herangehen, um den einzelnen Patienten und seine persönlichen Ziele besser zu verstehen. Aufgrund meiner Darmkrebs- und Prostatakrebsbehandlung weiß ich aus eigener Erfahrung, dass mich die behandelnden Ärzte nicht nach meiner persönlichen Meinung zur Therapie, zu Nebenwirkungen und den damit verbundenen Folgen für meinen Alltag gefragt haben. Ihr Hauptaugenmerk lag auf meinen Blutergebnissen.

 

Bei einem meiner Termine wollte ich zum Beispiel wissen, welche Nebenwirkungen ich von einer bestimmten Behandlungsmöglichkeit für meinen Prostatakrebs zu erwarten habe und worauf ich mich emotional gefasst machen sollte – aber mir wurde gesagt, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt sei, sich mit dieser Frage zu befassen. Die Lebensqualität wird vielleicht auch deshalb vernachlässigt, weil dem medizinischen Personal der emotionale und soziale Stress, den eine Krebsdiagnose mit sich bringt, nicht vollständig bewusst ist.

 

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Das Behandlungsgespräch muss mit der Lebensqualität beginnen – ‚Wie ist Ihre Lebensqualität jetzt?‘ ‚Was möchten Sie auch weiterhin machen können?‘ ‚Was macht Sie glücklich?‘ ‚Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?‘ Dann erst sollte besprochen werden, welchen Einfluss die Behandlung darauf hat.
Robert S. Greene
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Gründer und Präsident der HungerNdThirst Foundation, Vorstandsmitglied der European Cancer Patient Coalition

Selbst wenn die Behandlungsmöglichkeiten für eine bestimmte Person begrenzt sind, ist es für Männer mit Prostatakrebs wichtig, die Folgen der Behandlung für ihre Lebensqualität zu kennen. Fehlen solche offenen Gespräche, können das Behandlungsergebnis und das emotionale Wohlergehen eines Mannes mit Prostatakrebs darunter leiden.

 

Welche Rolle spielen Patientenorganisationen? Was können sie tun, um die Betroffenen in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Erwartungen an die Behandlung klar zu äußern?
Es gibt viel, was die Patientenorganisationen tun müssen, und das gilt auch für mich als Patientenfürsprecher. Es reicht nicht, eine Broschüre zu drucken oder Informationen auf eine Webseite zu stellen, denn viele Patienten, die danach suchen, haben bereits eine Diagnose. Die Aufklärung muss schon früher ansetzen. Der Zeitpunkt, an dem wir uns in das Gespräch einschalten, könnte zu spät sein, wenn bereits eine Behandlungsentscheidung getroffen wurde.

 

Außerdem gibt es da die Ehegatten, Lebenspartner, Familienmitglieder und engen Freunde der Betroffenen. Wir müssen uns viel mehr dafür einsetzen, auch diese Personen zu informieren. Wir können nicht davon ausgehen, dass sie Zugang zu allen Informationen haben, die sie benötigen, um den betroffenen Männern zu helfen.

 

Was kann die Gesellschaft insgesamt tun, um Männer mit Prostatakrebs besser zu unterstützen?
Wir diskutieren über fast alles in der Welt und Prostatakrebs ist etwas, das viele von uns irgendwann im Leben betrifft. Doch die Menschen vergessen häufig, dass es sie auch direkt betreffen könnte. Wir alle müssen über Prostatakrebs und Behandlungsoptionen sprechen, damit alle Männer, bei denen dieser Krebs diagnostiziert wird, und ihre Angehörigen bereits vor dem Behandlungsgespräch Bescheid wissen.

Prostatakrebs ist die weltweit zweithäufigste Krebsart bei Männern. Im Jahr 2018 wurde Schätzungen zufolge bei etwa 1.276 Millionen Männern weltweit Prostatakrebs diagnostiziert. Rund 359.000 starben an der Krankheit. Prostatakrebs ist damit die fünfthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern.

 

Mit dem Ziel, das Leben von Menschen zu verbessern, arbeitet Bayer an der Erweiterung seines Portfolios für innovative Behandlungen. Prostatakrebs ist ein wichtiger Schwerpunkt. Zwei Produkte des Unternehmens für verschiedene Stadien von fortgeschrittenem Prostatakrebs sind bereits auf dem Markt und mehrere Wirkstoffe befinden sich in der Entwicklung, darunter ein einzigartiger Ansatz, der zielgerichtete Alphatherapien weiterentwickelt. Bayer setzt sich intensiv mit dem besonderen Bedarf von Männern mit Prostatakrebs auseinander und stellt diesen Behandlungen zur Verfügung, die das Leben über die verschiedenen Krankheitsphasen verlängern und es den Betroffenen ermöglichen, weiter ihren Alltagsaktivitäten nachzukommen, damit sie nicht nur länger, sondern auch besser leben.

 


Literaturhinweise

 

1 American Cancer Society. Cancer Facts and Figures for African Americans. 2019-2021. Available at: https://www.cancer.org/content/dam/cancer-org/research/cancer-facts-and-statistics/cancer-facts-and-figures-for-african-americans/cancer-facts-and-figures-for-african-americans-2019-2021.pdf. Abruf September 2020.