COVID-19 und die Psyche:

Mentale Gesundheit darf kein Tabu sein

Zu viel Stress sorgt bei immer mehr Menschen für psychische Erkrankungen. Vor allem während der COVID-19-Pandemie steigt die Anzahl der Betroffenen. Daher müssen wir uns um unsere mentale Gesundheit kümmern – und darauf achten, dass wir besonders gefährdete Risikogruppen wie chronisch Kranke unterstützen.

Psychische Krankheiten sind schon lange keine Ausnahmen mehr. Sie können jeden betreffen. Vor der Pandemie litten weltweit eine Milliarde Menschen darunter1, in Deutschland jeder vierte Erwachsene.2 Und in Krisen, wie wir momentan eine erleben, nimmt die Zahl der Betroffenen deutlich zu. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse weisen darauf hin, dass Einschränkungen im Alltagsleben wie Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren und soziale Isolierung viele Menschen mental belasten und ernsthafte psychische Folgen nach sich ziehen können.3

 

Inzwischen drücken sich die Folgen der Pandemie für die mentale Gesundheit auch in Zahlen aus: Rund 60 Prozent der Deutschen fühlen sich stärker mental belastet.4 Zudem meldeten die Krankenkassen im ersten Halbjahr 2020 einen Höchststand an Krankschreibungen aufgrund depressiver Erkrankungen.

Zu viel Stress ist ungesund für Körper und Psyche

Eine Krise wie COVID-19 stellt uns vor enorme Herausforderungen – nicht nur gesellschaftlich und ökonomisch, sondern auch jeden Einzelnen psychisch. „Menschen haben gerne eine gewisse Planungssicherheit. Wenn wir wie jetzt in der Pandemie nur auf Sicht fahren können, verunsichert das einzelne. Über längere Zeit kann das Ängste auslösen, auch im pathologischen Sinn. Das bedeutet, dass Menschen versuchen, sich den neuen Herausforderungen anzupassen, was nicht immer gelingt und dann negative Auswirkungen auf die Psyche haben kann”, sagt Thorsten Uhle, bei Bayer globaler Experte für Arbeits- und Organisationspsychologie.

 

Das bestätigt auch die Allgemeinmedizinerin Karin Leikert aus Erftstadt bei Köln: „Zu mir kommen gerade viele Patienten, die Angst vor Arbeitslosigkeit haben. Auch Menschen mit Kindern fühlen sich wegen Corona oft überfordert. Mindestens zehn von 80 Patienten pro Tag wissen nicht, wie es weitergehen soll. Bei ihnen stelle ich zunehmend depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen fest."

 

Das hat vielfältige Gründe. Chronischer, langanhaltender Stress ohne ausreichende Entspannung führt zu einer Überlastung des Organismus. Der Körper läuft dauerhaft auf Hochtouren und produziert Adrenalin und Cortisol. Das kann Schlafstörungen und eine Schwächung des Immunsystems auslösen und auch zu einer Depression führen. Dabei ist ein gesundes Immunsystem auch im Kampf gegen das Coronavirus die wichtigste körpereigene Abwehr.

 

Chronisch Erkrankte brauchen besonderen Schutz

Gerade ältere und viele chronisch kranke Menschen sind aktuell einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt, da ihr Immunsystem im Vergleich zu jüngeren gesunden Menschen nicht mehr so widerstandsfähig ist. Eine Ansteckung mit dem Coronavirus könnte daher schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Das bedeutet eine doppelte Belastung: Da das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes bei einer Ansteckung mit COVID-19 beispielsweise bei Krebspatienten oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt, ist ihre Sorge vor Ansteckung besonders groß. Daher haben viele zu Beginn der Pandemie ärztliche Praxen oder Krankenhäuser gemieden oder Therapien unterbrochen – und so gesundheitliche Folgen riskiert.

 

Rücksicht zu nehmen und nach ihrem Befinden zu fragen, ist daher besonders wichtig. „Für chronisch Kranke ist es oft hilfreich, neben ärztlicher auch psychosoziale Unterstützung in Anspruch zu nehmen“, sagt Thorsten Uhle, der gemeinsam mit den Bayer-Ärzten die Mitarbeiter unterstützt, besser mit den Folgen der Pandemie umzugehen.

Thorsten Uhle arbeitet bei Bayer als globaler Experte für Arbeits- und Organisationspsychologie. Zusammen mit den Bayer-Ärzten unterstützt er die Mitarbeiter, besser mit den Folgen der Pandemie umzugehen.

In der Psychotherapie lernen chronisch Kranke, den Alltag neu zu gestalten und auf körpereigene Warnsignale zu achten, wenn die Gesundheit aus dem Ruder läuft. Unterstützen können laut dem Diplom-Psychologen auch Internetportale für Betroffene, Selbsthilfegruppen und ganz wichtig: gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und guter Schlaf.

 

“Mentale Gesundheit darf kein Tabuthema sein“

Trotz der Vielzahl der Angebote sucht nur ein Bruchteil professionelle Hilfe. Der Grund: Noch immer gelten psychische Krankheiten bei vielen als Tabu. Nur jeder fünfte Betroffene geht in Deutschland deswegen zum Arzt.6 Obwohl Depressionen ähnlich gut geheilt werden können wie zum Beispiel Bluthochdruck wird die Hälfte der Erkrankungen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht behandelt. Die WHO empfiehlt bei Symptomen einer depressiven Verstimmung oder Depression daher, den Hausarzt oder eine Beratungsstelle aufzusuchen. Zugleich sollen Ärzte verstärkt auf Symptome ihrer Patienten achten.7

 

Aufrufe wie dieser und eine gesellschaftliche Debatte über mentale Gesundheit können dazu führen, dass in Zukunft mehr Betroffene professionelle Hilfe suchen. Mit Investitionen in psychische Gesundheitsdienste und Aufklärungskampagnen unter anderem über Depressionen fördert Bayer den gesellschaftlichen Diskurs.

 

„Mentale Gesundheit darf kein Tabuthema sein. Bei Bayer begreifen wir Gesundheit ganzheitlich und entwickeln weiter entsprechende Angebote zur Verbesserung der mentalen Gesundheit. Dazu wird Bayer in Zukunft noch mehr als heute die digitalen Möglichkeiten nutzen”, sagt Thorsten Uhle. So hat das Unternehmen kürzlich die Zusammenarbeit mit elf Start-ups angekündigt, die digitale Anwendungen in der Medizin entwickeln. Darunter auch eine Smartphone-App, die Spiele und medizinische Behandlungen kombiniert, um Stress, Ängste und Depressionen abzubauen.8 Außerdem bietet Bayer Produkte auf natürlicher Basis an, die bei leichten Depressionen und Verstimmungen zu mehr innerer Balance und Lebensfreude verhelfen können.

 

 

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Mit Aufklärung und innovativen Therapien arbeiten Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen auch während der Pandemie daran, unsere mentale Gesundheit im Gleichgewicht zu halten. Aber jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten: „Indem jeder auf sich selbst, aber vor allem auch auf andere achtet, können wir gemeinsam die Pandemie gut in den Griff bekommen”, sagt Thorsten Uhle.

 

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